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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 05:46 Uhr

Spendenprojekt : Rostockerin hilft Schülern in Afrika

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach einem Praktikum in Ghana engagiert sich Charlotte Linke für ein eigenes Spendenprojekt

svz.de von
erstellt am 04.Jul.2016 | 21:00 Uhr

In Baracken, teilweise ohne Wände, mit karger Ausstattung und ohne die nötigen Schulmittel – so sollen die Kinder im ghanaischen Ketu District, einem Dörfchen an der Grenze zu Togo, lernen. Ein akademischer Weg auf der Karriereleiter ist dabei beinahe von vornherein ausgeschlossen, denn Bildung kostet viel Geld. „Zumindest in den höheren Klassen“, sagt Charlotte Linke. Die 19-jährige Rostockerin hat nach dem Abitur ein halbes Jahr in Ghana gearbeitet, Praktika in Krankenhäusern und einer Schule absolviert und dabei auch die Zustände in der Einrichtung im Ketu District kennengelernt.

Schulbildung kostet eine Menge Geld

„Das Problem ist, dass die Schulbildung nur bis zur 9. Klasse kostenfrei ist. Um das Abitur an einer Senior High School ablegen zu können, braucht man Geld – und das haben die meisten nicht“, sagt Charlotte. Deshalb hat sie, zurück in Deutschland angekommen, in Kooperation mit der Organisation Africa Action das Projekt „Bildung schenken“ gegründet, um Spenden für ihre ehemaligen Schüler zu sammeln. „Ghana ist ein Land mit einem wahnsinnig großen sozialen Gefälle“, sagt Charlotte. Während die großen Städte modern und industrialisiert sind, stehen die Provinzen – meist ohne Strom und den Zugang zu fließendem Wasser – weit hinten an. „Die Familien in den dörflichen Regionen haben oft bis zu zwölf Kinder, die statt eine teure schulische Ausbildung zu bekommen, arbeiten gehen, um die Familie zu ernähren oder auf ihre jüngeren Geschwister aufzupassen“, so die Abiturientin.

Die Älteren müssen oft zurückstecken. „Einmal habe ich sogar erlebt, wie jemand beim Morgenappell umgekippt ist. Später stellte sich heraus, dass das Mädchen seit zwei Tagen nichts gegessen hatte“, erinnert sich die Rostockerin. Aber auch die jüngeren müssen ihre Hausaufgaben oft bis spät in die Nacht hinausschieben – wenn sie von dem Job nach der Schule nach Hause kommen. „Wenn Markttag ist, erscheinen einige Mädchen erst gar nicht“, sagt Charlotte. Selbst die intelligentesten Schüler haben so oft keine Chance auf einen Abschluss. „Besonders schlimm ist es für die Mädchen. Meist läuft es darauf hinaus, dass sie sich an ältere, verdienende Männer binden und schnell schwanger werden“, so die 19-Jährige.

Um wenigstens einer der 500 afrikanischen Jugendlichen der Schule den Abschluss zu ermöglichen, haben ihre Eltern die Patenschaft für die 16-jährige Perpetual übernommen, erzählt Charlotte. „Als sie mich in Ghana besucht haben, war es leicht, sie davon zu überzeugen, Perpetual zu unterstützen“, sagt die Rostockerin. Für die Patenschaft zahlen ihre Eltern jetzt 30 Euro im Monat, drei Schuljahre lang. „Sie ist ein sehr kluges Mädchen und hat nach dem Abschluss vielleicht sogar die Möglichkeit, zu studieren“, sagt Charlotte.

Spender erfahren, wohin ihr Beitrag geht

Wer gern helfen will, aber nicht so viel Geld übrig hat, kann auch einmalig so viel geben, wie er entbehren kann. „Es gibt ein offizielles Spendenkonto bei der Organisation, die Kontakt zu Freeman Doh-Ashinyo pflegt, einem Lehrer vor Ort“, sagt die engagierte 19-Jährige. Jeder Spender erhält eine Quittung und einen kleinen Bericht, darüber, was mit seinem Geld erreicht worden ist. „Es werden zum Beispiel Schulbücher oder Hefte gekauft. Selbst an den einfachsten Sachen fehlt es oft“, sagt Charlotte. Um ihr Projekt bekannt zu machen, hat die Abiturientin Flyer entworfen. „Die Fotos habe ich vor Ort selbst gemacht. Es wird genau erklärt, wie die Organisation arbeitet und wo das Geld hingeht“, sagt sie. Die Broschüren möchte sie in Schulen, Kirchengemeinden und karitativen Einrichtungen verteilen, um möglichst viele Leute zu erreichen. Auch ein Internetauftritt und eine Facebook-Seite sollen eingerichtet werden. „Jeder junge Mensch sollte die Chance bekommen, sich selbst zu verwirklichen, ein modernes Leben zu führen. Die Chance, die Region weiterzuentwickeln“, sagt die Rostockerin. So unterstütze man letztendlich nicht nur einen einzelnen Schüler, sondern ganze Familien und Dörfer, indem ihnen der Zugang zu Bildung möglich gemacht würde.

Kontakt per E-Mail an: charlotte.linke@uni-rostock.de; Spendenkonto: africa action Deutschland e.V.; IBAN DE03 3706 0193 0000 9988 77; BIC GENODED1PAX; Verwendungszweck: GH91
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