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Norddeutsche Neueste Nachrichten

19. November 2017 | 10:01 Uhr

Rostocker wünschen sich Lebens-Oase

vom

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erstellt am 26.Feb.2013 | 10:27 Uhr

Als die Teilnehmer des Bürgerforums gestern Abend aus der Rathaushalle auf den Neuen Markt traten, standen sie auf einem verschlafenen und leeren Platz. Genau das, was sie drinnen zuvor bemängelten: „Ich würde mir wünschen, dass der Neue Markt ein Ort der Begegnung wird wie in Tallinn – der Marktplatz dort ist jeden Abend voll, dort singen Künstler und die Menschen flanieren durch die Cafés, obwohl das Klima noch deutlich kälter ist als bei uns“, sagt Christian Möllenkamp.

Wie rund 150 andere Rostocker war er gekommen, um seine Ideen für die künftige Gestaltung der Nordkante einzubringen. Diese sollen den Teilnehmern eines ersten städtebaulichen Wettbewerbs als Grundlage für ihre Entwürfe dienen. Bis November haben sie Zeit, dann kürt eine Jury die Siegerarchitekten. Anschließend bekommen die Rostocker erneut Gelegenheit, selbst einzugreifen und die Vorlagen zu bewerten.

Was sie in Bezug auf die Nutzung erwarten, wurde gestern bereits deutlich: einen lebendigen Mix aus Kultur, Geschäft und Wohnen. „Und das nicht nur abends“, sagt Barbara Müller. Sie wünscht sich einen attraktiven Frischmarkt am Morgen, Angebote für Kinder und Jugendliche am Tag und abends eine Flaniermeile mit Restaurants, Cafés und Kleinkunst. Auch ein Haus des Buches mit einer modernen Bibliothek inklusive Kempowski-Archiv und Johnson-Stiftung ist für viele denkbar, genau wie ein Jazzkeller oder Ateliers. „Es sollte ein öffentlicher Ort sein, an den man auch kommen kann, ohne einkaufen zu müssen“, sagt Uta Jahnke. Die Stadtkonservatorin sieht Rostock bestens mit Geschäften versorgt, wenn nicht überversorgt: „Es gibt schon genug Leerstand an anderer Stelle – der würde sich noch vergrößern.“

Neben der möglichen Nutzung diskutierten die Teilnehmer gestern auch die Themen Städtebau und Verkehr. „Wie viel Bebauung verträgt das Areal? Wie groß muss der Abstand zur Marienkirche sein? Brauchen wir eine Tiefgarage oder lieber ein Parkhaus? Wie verhindern wir die Verlagerung von Verkehr in die beruhigten Seitenstraßen? Wir befinden uns noch ganz am Anfang“, sagt Christian Lehmhaus vom Planungsbüro Phase 1 aus Berlin, das von der Stadtverwaltung mit der Organisation des städtebaulichen Wettbewerbs betraut wurde. Spannend sei für ihn beispielsweise die Frage, wie die Straßenbahn eingebunden werden könne. Sie könnte durch ein neues Haus hindurchfahren. Und auch die Gestaltung der Grünflächen sei ein heißes Thema, so Lehmhaus. Zumal die Pläne sich nicht ausschließlich mit der Nordkante selbst befassen, sondern die Flächen An der Hege bis zur Krämerstraße beziehungsweise zur Kleinen Wasserstraße beinhalten.

„Nachdem wir das Vorhaben immer wieder verschoben haben, ist die Zeit jetzt reif“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Im Gegensatz zu 2005, als die Bebauung schon einmal Thema gewesen sei, besitze die Stadt heute die gesamte Fläche alleine. „Wir Rostocker können gestalten, wir können bestimmen, ob wir dort ein 10 000- oder ein 25 000-Quadratmeter-Gebäude wollen“, so Methling. Die Frage, ob überhaupt gebaut werden solle, stehe nach einem entsprechenden Bürgerschaftsbeschluss aber nicht zur Diskussion.

Etliche Bürger hatten anfangs ihrem Unmut über das Vorhaben als Ganzes Luft gemacht und so den Ablaufplan des Abends etwas durcheinander gebracht. Statt Gruppenarbeit gab es zunächst eine Aussprache im großen Plenum, in der Methling die Bau-Gegner auf ihre rechtlichen Möglichkeiten hinwies: „Es gibt immer noch den Weg eines Bürgerbegehrens, dafür braucht es 4000 Unterschriften und anschließend 25 Prozent der Bevölkerung.“ Er selbst peilt an, 2018 „schon weiter als bis zur Grundsteinlegung zu sein“.

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