Rostocker will barrierefrei reisen

<strong>Für schwellenfreie Schiffe </strong>setzt sich Rollstuhlfahrer Bruno Olms ein. Er beruft sich auf die UN-Konvention. Foto: Christina Milbrandt
Für schwellenfreie Schiffe setzt sich Rollstuhlfahrer Bruno Olms ein. Er beruft sich auf die UN-Konvention. Foto: Christina Milbrandt

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01. März 2013, 05:58 Uhr

Rostock | Es ist der größte Wunsch von Bruno Olms, an einer Flusskreuzfahrt der Reederei Arosa teilzunehmen. Doch dieser Traum scheint zum Scheitern verurteilt. Denn der 73-Jährige ist auf einen elektrischen Rollstuhl angewiesen und die Arosa-Schiffe sind nicht nach behindertengerechten Standards konstruiert. "Unsere ganze Behindertengruppe wird grundsätzlich ausgeschlossen", so Olms.

Rückendeckung bekommt er von Petra Kröger, der Behindertenbeauftragten der Stadt. Sie sagt: "Im Grunde ist es deutsches Recht, dass die Schiffe barrierefrei sein müssen." Olms beruft sich diesbezüglich auf die Konvention der Vereinten Nationen, in denen die Rechte behinderter Menschen festgehalten sind. Darin ist auch aufgeführt, dass Behinderte uneingeschränkt in den sozialen und kulturellen Bereich einbezogen werden müssen.

Zu berücksichtigen sei auch, dass der Bedarf an barrierefreien Angeboten stetig steige, so Kröger. Ihren Angaben zufolge gibt es in Rostock 18 000 Behinderte und chronisch Kranke, darunter 1 000 Rollstuhlfahrer. So geht es Olms nicht nur um sein persönliches Anliegen. "Das ist eine generelle Sache", sagt er. Es gebe viele Gleichgesinnte, die ebenfalls gern Reiseangebote wie die von Arosa wahrnehmen würden.

Die Reederei mit Sitz in der Hansestadt organisiert Kreuzfahrten über den Rhein, die Donau und andere Flüsse. Laut Unternehmenssprecherin Christine Cubasch ist es grundsätzlich kein Problem, wenn Passagiere mit Handicap mitreisen. Für diese Fälle gebe es einen speziellen Service. So könne beispielsweise von der obligatorischen Tischplatzwahl abgesehen werden. "Auf Wunsch kann gern ein Tisch nahe des Buffets freigehalten werden, um die Wege möglichst kurz zu halten", so Cubasch. Außerdem biete das Personal im jederzeit eine helfende Hand , beispielsweise beim Tragen des Gepäcks.

Cubasch räumt jedoch ein, dass Rollstuhlfahrer trotzdem eingeschränkt sind. Auf den Schiffen gebe es keinen Aufzug und die Kabinen seien nicht auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet. Auf einigen Schiffen kommt die Reederei ihnen jedoch entgegen. So seien beispielsweise die Kabinen auf den neuen Rhein-Schiffen mit einer breiteren Tür und einem größeren Bad ausgestattet. Das Problem bleiben die Treppen. Denn von welchem Deck die Passagiere ein- und aussteigen ist vom Pegelstand abhängig.

Olms setzt sich weiter für barrierefreies Reisen ein. "Es geht einfach darum, aktiv zu werden, damit die Verantwortlichen Farbe bekennen", sagt er.

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