Politik im Web : Rostocker stellen den Wal zur Wahl

Bioinformatiker Martin Scharm (l.) und Maschinenbauingenieur Tom Theile vorm Reichstag.
Bioinformatiker Martin Scharm (l.) und Maschinenbauingenieur Tom Theile vorm Reichstag.

Quiz als Entscheidungshilfe für den 24. September. Fragen basieren auf echten Abstimmungen der Parteien im Bundestag.

svz.de von
05. September 2017, 05:00 Uhr

Wenn am 24. September ein neuer Bundestag gewählt wird, stellt sich vielen die Frage, welche Partei ihre Positionen am besten vertreten kann. Unentschiedenen hilft zum Beispiel der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Eine Alternative kommt jetzt aus Rostock: DeinWal.de. Bioinformatiker Martin Scharm und Maschinenbauingenieur Tom Theile haben sie entwickelt.

Das Portal blickt bewusst in die Vergangenheit, nimmt Absichtserklärungen der Parteien damit das Gewicht bei der Auswertung. Ähnlich wie beim Wahl-O-Mat können Nutzer in einem Quiz 42 Fragen aus 12 Themengebieten beantworten. Die Fragen basieren auf den echten Abstimmungen, über die die Abgeordneten im Bundestag auch schon entscheiden mussten. Das Portal soll so zeigen, welche Partei die Vorstellungen des Nutzers am besten vertreten hat. Für das Projekt haben die Doktoranden, die sich vom Lehrstuhl für Systembiologie und Bioinformatik der Universität Rostock kennen, in ihrer Freizeit mehr als 200 Abstimmungen im Bundestag zusammengetragen, studiert und kategorisiert. Acht Monate beschäftigten sich die beiden mit Abstimmungsergebnissen, Bundestagsdrucksachen und der Programmierung der Internetseite. Am 15. August ging DeinWal.de online und hat große Wellen in den sozialen Netzwerken geschlagen.

Die tatsächlichen Abstimmungsergebnisse der Parteien im Bundestag sind in der Regel gut dokumentiert (bundestag.de/abstimmung). Es ist aber eine Herausforderung, die Beschlüsse der Parteien zu sichten und mit der eigenen Einstellung zu vergleichen. Mit dem neuen Portal haben die beiden Macher eine einfache Möglichkeit zur Beurteilung der etablierten Parteien geschaffen. Es soll nicht nur Erstwählern helfen, sich in der politischen Landschaft zu orientieren, sondern auch denjenigen, die ihre letzte Wahlentscheidung oder ihre Parteiverbundenheit auf die Probe stellen wollen. Bei der Entwicklung haben Martin Scharm und Tom Theile viel Wert auf den Datenschutz ihrer Nutzer gelegt. Die Webseite wurde so gestaltet, dass das Quiz ausschließlich im Browser stattfindet. Im Kontrast zu den meisten anderen Ansätzen werden die Eingaben der Nutzer nie wieder zurück zum Anbieter gesendet – eine Profilbildung ist also bewusst ausgeschlossen.

Die beiden Macher betonen jedoch, dass DeinWal nicht als einzige Informationsquelle zur Bundestagswahl benutzt werden sollte. Denn Abstimmungsergebnisse spiegeln nicht zwingend die Überzeugungen der Parteien wider, sondern beruhen im Fall der Koalitionspartner SPD und CDU/CSU oft auf Kompromissen. Außerdem könne DeinWal ja nur die Parteien berücksichtigen, die in den vergangenen vier Jahren im Bundestag vertreten waren.

>> Hier geht es zum Homepage deinWal.de


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