volkstheater : Rostocker Sommer ohne Theater

Das Rostocker Volkstheater verzichtet auf ein Sommerspektakel – zuletzt 2011 gab es ein Sommertheater in der Halle 207.
Das Rostocker Volkstheater verzichtet auf ein Sommerspektakel – zuletzt 2011 gab es ein Sommertheater in der Halle 207.

Was andernorts gepflegt wird, lehnt die Bühne der Hansestadt aus Kostengründen ab / Keine weitere Unterstützung aus dem Rathaus

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21. Juli 2015, 17:00 Uhr

Mit der Vorstellung „Im weißen Rössl“ hat sich das Volkstheater am Sonntag für diese Spielzeit von der großen Bühne verabschiedet. Ein Sommertheater im klassischen Sinne gibt es nicht. Derweil laufen in Schwerin die Schlossfestspiele. Die Naturbühne Ralswiek ist fest in Störtebekers Hand. Und auch die Piraten von Grevesmühlen gehen mittlerweile in der zehnten Saison auf Kaperfahrt. Sommertheater scheint überall zu funktionieren. Doch das Rostocker Volkstheater hält sich zurück.

Seit mittlerweile vier Jahren – letztmalig gab es 2011 in der Halle 207 ein Programm – verzichtet die Bühne auf großes Freilufttheater oder ein ähnliches Spektakel in der Sommerzeit. Mit Intendant Steffen Piontek hatte das zuletzt auf der Haedge-Halbinsel stattgefunden, sein Nachfolger Peter Leonard entschied sich für die wetterunabhängige Variante in der Werfthalle. Doch auch davon zog sich das Volkstheater zurück. Hinter dem Feigenblatt „1. Volkstheater-Sommer“, der in diesem Jahr begangen wird, versteckt sich im Prinzip nur ein Spielen auch im Juli – sogar mit Premieren – und Vorstellungen in der Kleinen Komödie auch im August, die Norddeutsche Philharmonie bringt sich beim Sommercampus der Hochschule für Musik und Theater ein. Ein Spektakel oder Festival ist das nicht.

Dabei kann Sommertheater in Rostock durchaus kontinuierlich und erfolgreich sein. Die Compagnie de Comédie, ein kleines privat geführtes Theater, bespielt mittlerweile im 25. Jahr die Bühne im Klostergarten. Die große Form ähnlich wie in Schwerin sei in Rostock allerdings ein zu großes finanzielles Risiko, meint Stefan Rosinski, kaufmännischer Geschäftsführer der Theater-GmbH: „Eine feste Anlage entfällt in Rostock. Darum müssten wir die gesamte Infrastruktur am Spielort herstellen.“ Die Auflagen dafür seien hoch, die Kosten demnach auch. Hinzu kämen Leihgebühren für die Technik, die dem Theater nicht selbst zur Verfügung steht, außerdem Ausgaben für die Überwachung der Anlage. Erst nachdem all diese Bedingungen geklärt sind, käme das Künstlerische dazu.

„Auf der Haedge-Halbinsel war das Sommertheater extrem defizitär. In der Halle war es besser, aber auch nicht gut“, sagt Rosinski. Mit einer viertel bis einer halben Million Euro Minus schlug das Spektakel jährlich zu Buche. „Es gibt für uns also keinen Grund, ein Sommertheater anzubieten“, so der Theater-Chef.

Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sieht in dem seit vier Jahren nicht stattfindenden Sommertheater vor allem eine vertane Chance. „Damit stehen wir außerhalb von Schwerin und Neubrandenburg, die es als ihren künstlerischen Schwerpunkt bestimmt haben, so wirksam auch überregional auf sich aufmerksam zu machen“, sagt der Rathaus-Chef. Allerdings macht er auch deutlich, dass es von Seiten der Stadt keine zusätzliche Förderung für ein Sommertheater geben wird. „Das ist eine Frage der Schwerpunktsetzung innerhalb des Volkstheaters Rostock und seines Zuschusses von über 16,6 Millionen Euro pro Jahr“, sagt Methling. Die Bühne müsse also selbst entscheiden, ob sie innerhalb der ihr zur Verfügung stehenden Mittel Geld für eine Sommerbespielung ausgeben will.

„Aus touristischer Sicht ist ein breites kulturelles Angebot immer begrüßenswert, auf dem die Destination mit Vermarktungsaktivitäten aufsetzen kann“, sagt Beate Hlawa, Sprecherin der Tourismuszentrale Rostock und Warnemünde. Damit könnten neue, kulturaffine Zielgruppen als Besucher für Rostock erschlossen werden. Die Veranstaltung „Kultur trifft Genuss“ sei entsprechend der Rostocker Tourismuskonzeption 2022 ein Beispiel, bei dem die Kooperation zwischen Tourismuszentrale, Theater und lokaler Wirtschaft bereits gut funktioniere. Diese ziele auf die Stärkung der Nebensaison ab. „Der Städte- und Kulturtourismus nimmt allgemein in Deutschland zu“, erklärt Hlawa.

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