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Aus dem Rostocker Landgericht : Rostocker quälen ihr Opfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Rostocker Christian Sch.(36) und Jan S.(39) stehen wegen räuberischer Erpressung vor Gericht

svz.de von
erstellt am 15.Apr.2016 | 08:00 Uhr

Die Rostocker Christian Sch.(36) und Jan S.(39) stehen seit gestern wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung erneut vor dem Landgericht. Die beiden Angeklagten, die sich aus gemeinsamer Haftzeit bereits lange kennen, trafen sich am 19. März 2014 mit Bekannten, darunter das spätere Opfer Toni N. (34) und Enrico W. (33) in der Wohnung des Christian Sch. in der Alexis-Kiwi-Straße in Evershagen.

Der Alkohol floss reichlich. Der Streit begann, als Toni N. Bier verschüttete. Christian Sch. versetzte ihm einen gewaltigen Faustschlag ins Gesicht. Die entstandene Blutblase öffnete das Opfer im Bad, wobei Blut verspritzte, was den Wohnungsinhaber erneut zu Schlägen und Tritten veranlasste. Er zog sein Opfer in die Stube, stieß es in die Ecke und schloss die Wohnungstür ab. Danach hagelte es Schläge und Tritte, an denen sich auch der Mitangeklagte Jan S. beteiligte. Christian Sch. hatte inzwischen seine Turnschuhe ausgezogen und feste Arbeitsschuhe angezogen, mit denen er Toni N. immer wieder ins Gesicht und auf den Oberkörper trat. Dann nahm er den Gürtel seines Bademantels und strangulierte den 34-Jährigen so stark, dass sein Hals knackte und er keine Luft mehr bekam. Christian Sch. schnitt ihm mit einer Schere ins Ohr und zwang ihn, das Blut aufzuwischen. Außerdem forderte er Toni N. auf, ihm 500 Euro zu geben. Da dieser nicht über solche Summe verfügte, zwang er ihn einen Schuldschein über 200 Euro zu unterschreiben. Als in den frühen Morgenstunden des 20. März Nachschub geholt werden musste, wurde Enrico W. losgeschickt. Christian Sch. schloss die Wohnungstür auf und ließ ihn hinaus. Diesen Moment nutzte Toni N. zur Flucht. Er ließ sich aus zwölf Metern Höhe an einem Regenrohr auf die Straße hinab. Die Angeklagten verfolgten ihn, aber das Opfer war schon zu weit weg. „Ich kriege dich. Wir sehen uns noch“, rief Christian Sch. hinter ihm her. Toni N. erlitt starke Prellungen im Gesicht und Verletzungen an den Zähnen. Bis heute ist er psychisch beeinträchtigt.

Für diese Taten waren die Angeklagten bereits im Oktober 2014 vom Landgericht zu Haftstrafen verurteilt worden. Christian Sch. zu dreieinhalb Jahren und Jan S. zu eineinhalb Jahren. Beide legten Revision ein und der Bundesgerichtshof hob das Urteil teilweise auf. Der Schuldspruch ist rechtskräftig, das heißt, die Angeklagten sind der räuberischen Erpressung und der gefährlichen Körperverletzung überführt. In dem gestern begonnenen Verfahren geht es um die Strafhöhe. Der Bundesgerichtshof forderte eine nochmalige Prüfung, ob die Einsichts- und Steuerungsfähigkeit der Angeklagten zur Tatzeit wirklich weder aufgehoben noch eingeschränkt waren, wovon das Landgericht im damaligen Urteil an Hand des medizinischen Gutachtens ausgegangen war. Laut Urteil handelten die trink-gewohnten Angeklagten während und nach der Tat absolut logisch.

Die Angeklagten wurden gestern erneut zur Trinkmenge am Tattag und ihren Trinkgewohnheiten befragt. Während Jan S. angab, sich an fast nichts zu erinnern, führte Christian Sch. neu ein, dass er am Abend auch Kokain genommen habe. Beide sind seit ihrer Jugend alkoholkrank und vorbestraft. Christian Sch.s Bundeszentralregister weist 23 Eintragungen auf, das von Jan S. 18. Der Prozess wird heute fortgeführt.


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