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Kreuzfahrt der Zukunft : Rostocker mischen Schiffbau auf

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Flüssigerdgas-Motoren reduzieren Schadstoffausstoß drastisch. Vorreiterstellung weckt globales Interesse

von
erstellt am 24.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Mit dem Bau des weltweit ersten Kreuzfahrtschiffes, das komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden kann, katapultieren sich Neptun-Werft und Motorenhersteller Caterpillar endgültig in die Spitzenliga der globalen maritimen Industrie. „Unsere Kollegen aus England, Italien und den USA sind sehr daran interessiert“, sagt Hansjörg Kunze vom Auftraggeber Aida. „Wir wollen zeigen, wie emissionsarme Kreuzfahrt wirksam wird.“

Zusammen fertigen die Nachbar-Unternehmen aus Warnemünde derzeit das zweite Großsegment für die „Aidanova“. Es wird mit drei Spezialtanks ausgestattet, die Durchmesser zwischen fünf und acht Metern aufweisen und insgesamt 3550 Kubikmeter LNG fassen. Eine Ladung des auf minus 162 Grad gekühlten Flüssigerdgases reicht umgerechnet für bis zu zwei Wochen Laufzeit. Die vier Dual-Fuel-Motoren von Caterpillar können aber auch mit Diesel oder Schweröl betrieben werden. Sie befinden sich auf dem Segment, das Ende September zur Meyer-Werft in Papenburg verholt wurde. Dort wird der Rest des Schiffes zusammengebaut. Bis Herbst 2018 entsteht so ein 337 Meter langer und 42 Meter breiter schwimmender Riese mit 2626 Kabinen und Platz für 1500 Crewmitglieder.

Dank des LNG „emittieren wir von der Motorenseite keinen Ruß mehr“, sagt Ulrich Hölk von Caterpillar. Im Vergleich zum Diesel werde der Schwefelausstoß um 99 Prozent, der der Stickoxide um 85 Prozent reduziert. Allerdings sei „der Motor ungefähr ein Drittel aufwendiger als beim Diesel“, so Hölk. Rund 120 Mitarbeiter seines Unternehmens sind mit dem Projekt beschäftigt. Vonseiten der Neptun-Werft sind es 500 eigene und 500 externe Arbeiter. „Was Aida hier macht, hat Leuchtturmcharakter – da ziehen mit Sicherheit andere Reedereien nach“, sagt Werftchef Raimon Strunck. Davon werde die Meyer-Gruppe, zu der auch die Warnemünder zählen, profitieren, ist sich Rüdiger Kruse, Beauftragter für maritime Wirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, sicher: „Die Werft ist Vorreiter und hat damit einen Technologie-Vorsprung.“ Der Bund fördere die Entwicklung des LNG-Antriebs mit 30 Millionen Euro.

Insgesamt baut die Meyer-Gruppe bis 2022 sieben LNG-Kreuzfahrtschiffe für die Marken Aida, Carnival und Costa in Rostock, Papenburg und Turku. „Unsere Herausforderung ist es, in den nächsten Jahren die globale Verfügbarkeit von LNG sicherzustellen“, sagt Hansjörg Kunze. Denn noch verfügen nicht alle angesteuerten Häfen über das Flüssigerdgas.

 

Kommentar “Langfristig denken“ von Torben Hinz

Rostocks große Schiffsbauer sind zurück in der Weltspitze. Neptun-Werft und MV Werften profitieren dabei von der boomenden Kreuzfahrtbranche und eigener Spitzentechnologie. Damit sind sie ein wichtiger Jobmotor der Hansestadt: Tausende Arbeitsplätze hängen von ihren Aufträgen ab, für die mit Aida auch ein heimisches Unternehmen sorgt. Auf der aktuell hervorragenden Situation ausruhen können sich die Werften allerdings nicht. Das hat die Vergangenheit teils bitter gezeigt, in der Vorgänger wie die Wadan-Werften pleite gingen. Daher kommt es darauf an, der Konkurrenz einen technologischen Schritt voraus zu sein. Die MV Werften bauen dafür eine semiautomatische Laser-Hybrid-Schweißanlage, der Neptun-Werft gelingt dies mit dem umweltfreundlichen LNG-Antrieb. Neu ist diese Technologie für die Werft nicht. Sie hat bereits 2013 in Zusammenarbeit mit der Meyer-Werft aus Papenburg den ersten LNG-Tanker abgeliefert.

 

 

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