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Norddeutsche Neueste Nachrichten

13. Dezember 2017 | 10:14 Uhr

Rostocker Kunden sind EEG-Verlierer

vom

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2012 | 06:58 Uhr

Rostock | Die Strompreise steigen im kommenden Jahr kräftig - hauptsächlich für Privatpersonen. Denn von der erhöhten Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien 2013 (EEG-Umlage) sind deutschlandweit 979 so genannte stromintensive Unternehmen befreit. Ihren Anteil zahlen die Privatkunden mit, auch den der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Sie ist im kommenden Jahr das einzige EEG-Umlage-befreite Unternehmen in Rostock.

Auf welche Mehrkosten sich die Verbraucher einstellen müssen, ist noch offen. Am kommenden Montag wollen die vier Betreiber des Übertragungsnetzes den genauen Umlage-Wert bekannt geben. Experten gehen davon aus, dass dieser von aktuell 3,6 auf etwa 5 Cent pro Kilowattstunde steigen wird. Für einen Vier-Personen-Haushalt, der im Jahr etwa 3500 Kilowattstunden verbraucht, würde das Mehrkosten von 51 Euro im Jahr bedeuten.

Die RSAG mit einem Jahresverbrauch von 13,89 Gigawattstunden (Stand 2010) müsste im kommenden Jahr 694 500 Euro für die 5-Cent-EEG-Umlage bezahlen. In diesem Jahr wären mit der bisherigen 3,6-Cent-Umlage je Kilowattstunde 500 000 Euro fällig gewesen - doch die RSAG ist von den Zahlungen befreit. Sie muss lediglich zehn Prozent als Selbstbehalt sowie einen symbolischen Betrag je verbrauchter Kilowattstunde zahlen. "Wir müssen jedes Jahr einen neuen Antrag auf EEG-Befreiung beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stellen", erläutert RSAG-Sprecherin Andrea Doliwa. Mindestens zehn Gigawattstunden muss ein Unternehmen im Jahr verbrauchen, um von der Umlage befreit werden zu können.

Trotz steigender EEG-Umlage bekommt die Branche für erneuerbare Energien nicht mehr Geld - im Gegenteil. Zuletzt wurden die Subventionen für die Solarbranche stark gekürzt. Das Rostocker Solar-Unternehmen Thermovolt AG musste sich darum komplett umstellen und Kooperationen eingehen. "Die Chinesen hatten ein Absatzproblem und wir - durch die unklare Fördersituation - eines mit der Finanzierung. Es passte perfekt", sagte Aufsichtsratsvorsitzender Rudolf Rinck im Juni. Auch der Windenergiebranche stehen Herausforderungen bevor.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in ihrer Regierungserklärung angekündigt, den Ausbau der Windkraft begrenzen zu wollen. Dieser sei schneller erfolgt und habe die Stromnetzbetreiber erheblich mehr gekostet, als ursprünglich geplant. Etwa 2,6 Millionen Euro mehr wurden an die Ökostrom-Produzenten ausgezahlt, als über die Umlage eingenommen wurde. Die Nordex SE verfolgt die Debatten ganz genau. Ohne Förderung käme das Unternehmen heute noch nicht aus. Langfristiges Ziel sei es, Windstrom zu Marktpreisen herzustellen. "Wir sind darauf eingestellt, dass es nicht ewig eine Förderung geben wird", sagt Unternehmenssprecher Ralf Peters. Er fordert moderne Förder-Regelungen.

In Berlin wird derweil darüber gestritten, ob für Seewindstrom künftig zwei Cent mehr pro Kilowattstunde gezahlt werden. Im Gegenzug würde die Förderung für Strom aus Windrädern an Land gekürzt. Für Nordex wäre das bitter. Denn das Unternehmen ist gerade erst aus dem Offshore-Geschäft ausgestiegen. Zu unsicher sei der Markt bislang gewesen. Peters bleibt trotz allem positiv: "Wir haben massiv viele Aufträge hinzugewonnen." In diesem Jahr rechnet er damit, dass die Wachstumsziele erreicht werden. Das würde eine Umsatzsteigerung von 920 auf bis zu 1,1 Milliarden Euro bedeuten. Auch andere Branchenvertreter wie die Umweltgerechte Kraftanlagen GmbH (UKA) geben sich optimistisch. Vor vier Wochen hat das Unternehmen in Rostock einen Ableger eröffnet. Geschäftsführer Klaus-Peter Jachmann glaubt daran, dass die Energiewende funktionieren kann und das UKA seinen Anteil leisten wird.

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