Nutzpflanzen-Konzept der Grünen : Rostocker Kleingärtner fürchten um Existenz

Fallobst und eine Schwächung des Kleingartenwesens will Christian Seifert verhindern.
Fallobst und eine Schwächung des Kleingartenwesens will Christian Seifert verhindern.

Im Nutzpflanzen-Konzept der Grünen für den öffentlichen Raum sehen sie einen Angriff auf ihre Anlagen. Fraktionschef dementiert.

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30. August 2016, 05:00 Uhr

„Aus meiner Sicht ist es eindeutig, dass man die Kleingärten in Rostock abschaffen und Bauland schaffen will“, sagt Hans-Peter Kolz, Vorsitzender des Kleingartenvereins Dahlie. Auslöser für seine Kritik ist die Forderung der Grünen, im öffentlichen Raum Obstbäume, Gemüsepflanzen und Kräuter zum Nutzen der Bürger anzubauen. Die Kleingärtner empfinden diesen Vorstoß als verdeckten Angriff auf ihre 154 Anlagen in Rostock. „Sie wollen die Kleingärten zunichte machen“, sagt Kolz.

Auch der Vorsitzende des Verbands der Gartenfreunde, Christian Seifert, sieht den Antrag der Grünen skeptisch. „Eine Stärkung des Kleingartenwesens wäre zielführender“, sagt er. Schließlich sei das ein wichtiger Pfeiler der Hansestadt, der nicht geschwächt werden dürfe. Das sei aber auch gar nicht das Ziel, erklärt Grünen-Fraktionsvorsitzender Uwe Flachsmeyer: „Das ist absoluter Unsinn, der Antrag hat nur positive Hintergedanken und nichts mit Bauland zu tun.“ In anderen Städten wie Lübeck, Tübingen, Leipzig oder Andernach gebe es bereits ähnliche Projekte, die sehr erfolgreich seien. „Natürlich braucht es dafür Patenschaften und Pflege“, sagt Flachsmeyer. Im Ergebnis könnten die für jeden zugänglichen Nutzpflanzen Motivation für gesunde Ernährung und Umweltbildung sein.

Genau das bezweifeln Hans-Peter Kolz und seine Kollegen Maik Graske, Vorsitzender des Kleingartenvereins Hellberg und Geschäftsführer der Fraktion UFR/FDP, sowie Marko Diekmann, Chef des Kleingartenvereins An’n schewen Barg. In einem gemeinsamen Positionspapier erklären sie, warum: Die Euphorie pflegewilliger Bürger werde mit hoher Wahrscheinlichkeit schnell nachlassen – wegen Vandalismus, gefräßigen Wildtieren, Verteilungsstreitigkeiten oder schlicht der langen Wartezeit auf die Ernte. Folge seien Schädlingsbefall, Chemieeinsatz und Nagetiere anlockendes Fallobst beziehungsweise Gemüsepflanzen.

„All diese Probleme sind im Kleingartenwesen bereits gelöst und gesetzlich fassbar gemacht. Einwohner können hier Obst und Gemüse anbauen, pflegen und sind sich ihres Ertrages sicher“, heißt es in ihrer Vorlage. Das Konzept der essbaren Stadt hingegen werde am Ende nur die Ämter belasten. „Ich bin seit 40 Jahren Vorsitzender und meine persönliche Meinung ist: So etwas funktioniert in Rostock überhaupt nicht“, sagt Kolz.

Am Donnerstag um 17 Uhr diskutiert der Ausschuss für Stadtentwicklung das Thema bei der Freiwilligen Feuerwehr Gehlsdorf, die Bürgerschaft entscheidet am Mittwoch, 7. September. Für deren Sitzung hat Verbandschef Seifert Rederecht beantragt.

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