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Medizin : Rostocker Kinderarzt und der Traum von heilbaren Darmkrankheiten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Dr. Jan Däbritz programmiert Entzündungszellen um und erhält für diesen Behandlungsansatz einen bedeutenden Nachwuchspreis.

Dr. Jan Däbritz schenkt Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die mit einem gestörten Immunsystem einhergehen und zunehmend im Kindesalter auftreten, Hoffnung auf Heilung. Der Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik der Universitätsmedizin Rostock tüftelt an wirkungsvollen Therapieansätzen. Dafür erhielt er jetzt auf der 51. Arbeitstagung für pädiatrische Forschung den mit 2500 Euro dotierten Friedrich-Linneweh-Preis. Dieser gilt als einer der bedeutendsten Preise auf dem Gebiet und wird mit dem Ziel vergeben, den wissenschaftlichen Nachwuchs zu unterstützen.

Teile aus der Forschungsarbeit des Rostocker Arztes wurden gerade im renommierten Wissenschaftsmagazin Journal of Immunology veröffentlicht. Der 35-Jährige ist erst seit April an der Universitätsmedizin der Hansestadt tätig. Zuvor arbeitete und forschte er in Berlin, Münster und Melbourne. Sein Interesse galt schon lange den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, allen voran dem Krankheitsbild Morbus Crohn. „Wir wissen heute, dass mehrere Faktoren die Erkrankung auslösen“, sagt der gebürtige Berliner. „Die genauen Mechanismen der Entzündungen im Darm sind aber nach wie vor kaum verstanden.“ Die herkömmliche Therapie von Morbus Crohn bestehe in der Unterdrückung des Immunsystems, so Däbritz. „Das geht leider zum Teil mit erheblichen Nebenwirkungen einher. Besonders bei jungen Patienten können Wachstum und Entwicklung eingeschränkt werden.“

Sein Augenmerk richtet sich daher auf spezifischere Behandlungen, die nicht auf das ganze Immunsystem abzielen, sondern direkt im Darm wirken. „Dazu haben wir in unseren Versuchen Entzündungszellen gezielt umprogrammiert“, so der Forscher. Die veränderten Zellen wandern nun zum Entzündungsherd. „So beeinflussen wir zwar nach wie vor das Immunsystem, aber natürlicher und kontrollierter.“

In Versuchsreihen mit Tieren traten während der Behandlung nicht nur keinerlei Nebenwirkungen auf. „Die Krankheit wurde auch geheilt und brach gar nicht erst aus. Ein vielversprechender Ansatz“, sagt Däbritz.

In Rostock will der Mediziner seine Forschung nun mit einer eigenen Arbeitsgruppe ausbauen und prüfen, ob sich anhand der bisherigen Erkenntnisse eine Therapie für den Menschen ableiten lässt. Damit unterstützt Däbritz gleichzeitig Prof. Michael Radke, der seit Anfang des Jahres die Rostocker Kinder- und Jugendklinik leitet. Auch er sieht in den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen eines seiner Schwerpunktthemen und will die Kinderklinik zu einem Zentrum für dieses Gebiet ausbauen.

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