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Norddeutsche Neueste Nachrichten

12. Dezember 2017 | 15:19 Uhr

Engagement : Rostocker hilft in Krisengebieten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Dr. Stephan Gubsch ist promovierter Physiker und unterstützt als Logistiker Ärzte ohne Grenzen

svz.de von
erstellt am 01.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Der erste Eindruck von seinem letzten Arbeitsort: „Es war Regenzeit und sehr, sehr schlammig“, erzählt Dr. Stephan Gubsch. „Die Regenzeit ist ein Problem im Südsudan. Die Straßen sind dann unpassierbar, das heißt wir sind mit dem Helikopter in die Dörfer geflogen. Nach der Landung wird man sofort von der Bevölkerung umringt.“ Dieser Einsatz ist sein zweiter im Sudan und sein vierter für die Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Was der Physiker dort tut und was ihn antreibt, lesen Sie in der heutigen Ausgabe der Norddeutschen Neuesten Nachrichten.
Rostock  Der erste Eindruck von seinem letzten Arbeitsort: „Es war Regenzeit und sehr, sehr schlammig“, erzählt Dr. Stephan Gubsch. „Die Regenzeit ist ein Problem im Südsudan. Die Straßen sind dann unpassierbar, das heißt wir sind mit dem Helikopter in die Dörfer geflogen. Nach der Landung wird man sofort von der Bevölkerung umringt.“ Dieser Einsatz ist sein zweiter im Sudan und sein vierter für die Organisation Ärzte ohne Grenzen.

Seit 2011 arbeitet der promovierte Physiker dort als Logistiker und schätzt  die Neutralität und Unabhängigkeit der Organisation. Die Institution leistet den Menschen vor Ort humanitäre Hilfe. Bereits in seiner Studienzeit hat sich Gubsch für Entwicklungsarbeit interessiert und nach dem ersten Golfkrieg mit einer Jenaer Organisation Medikamente in den Irak gebracht.  „Es ist ein schönes Gefühl zu wissen: Ich helfe hier an Orten an die, wenn ich nicht herkäme,  kein anderer käme“, sagt der 49-Jährige.

Zu seinen Aufgaben als Logistiker gehören unter anderem die Organisation von Nachschub an Medikamenten, Nahrungsmitteln und Werkzeug. Er ist aber auch für den Fuhrpark, die Sicherheit und die Kommunikation verantwortlich. In seinem letzten Einsatz hat er im Flying Team gearbeitet. Es baut mobile Kliniken in ländlichen Regionen auf, in denen die Patienten behandelt werden. Ein Fliegendes Team besteht aus einem Leiter, einem Arzt, zwei Krankenpflegern, einem Logistiker und einem nationalen Kollegen aus dem Sudan. Bei seinem letzten Einsatz geht es von Juba aus mit einem Hubschrauber in die betroffenen Regionen. In den Dörfern gelandet, kommen die Menschen auf das Flying Team zu. Sie sind nicht nur neugierig, sondern hoffen auch auf eine Anstellung zum Beispiel als Träger. Nachdem alles ausgeladen ist, wird die mobile Klinik aufgebaut. Das heißt, es werden Zelte und Absperrungen errichtet. Die Absperrungen grenzen den einen provisorischen Warteraum ab.  „Es ist ganz einfach, in der Regel macht man die Absperrung zwischen Bäumen und baut ein paar Tische auf, sodass am Abend alles fertig ist und wir am nächsten Tag mit der Arbeit in der mobilen Klinik beginnen können“, berichtet Gubsch. Für den Abend stellt das Team einen Koch ein, damit es sich voll und ganz auf seine eigentliche Aufgabe konzentrieren  und für die Menschen vor Ort da sein kann. Gleichzeitig erhöht es die Akzeptanz der Dorfbewohner, wenn die Teammitglieder Arbeitsplätze schaffen.

In der Nacht versammeln sich bereits die ersten Patienten. Viele von ihnen kommen auch aus der Umgebung und haben einen langen Fußmarsch hinter sich. „Gegen halb sieben sitzen da schon 50, 60 oder 70 Patienten“, schildert der 49-Jährige. Nach einem kleinen Frühstück wird die Klinik eröffnet. Der Tag ist dann sehr stressig für alle Beteiligten, weil möglichst alle Patienten versorgt werden sollen. „Als Logistiker hat man dann die Aufgabe alles zu organisieren“, sagt Gubsch. Bei Ärzte ohne Grenzen gibt es verschiedene Programme wie zum Beispiel ein Ernährungsprogramm gegen Mangelernährung. Bei dem werden die Kinder gewogen und gemessen, um den Grad der Unterernährung zu bestimmen. Anschließend werden sie mit verzehrfertiger Nahrung behandelt. Ein bis drei Tage plus Auf- und Abbau bleibt das Flying Team in einem Dorf.

Leider können an einem Tag nicht alle Patienten behandelt werden. „Diejenigen erhalten ein Zertifikat, sodass sie am nächsten Tag bevorzugt behandelt werden und nicht noch einmal warten müssen“, erzählt der Logistiker. Dabei gilt, dass die schwersten Fälle zuerst behandelt werden. Wohin es Stephan Gubsch als nächstes hin verschlägt, weiß er noch nicht. Doch eines ist sicher, er wird mit Ärzte ohne Grenzen wieder in Krisengebiete reisen und den Menschen dort helfen.

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