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19. Oktober 2017 | 16:51 Uhr

Rostocker gesteht Brandstiftung

vom

svz.de von
erstellt am 15.Okt.2012 | 08:38 Uhr

Rostock | Fünfmal soll Enrico Sch. (20) zwischen Juli 2011 und April 2012 Feuer in Rostock gelegt haben. Bei einer dieser Taten soll ihm sein Kumpel Mathias K. (16) behilflich gewesen sein - gestern legte der 20-Jährige vor dem Amtsgericht Rostock ein umfassendes Geständnis ab und erklärte auch das Motiv seiner Tat: Frust.

Vor allem in der Weihnachtszeit des vergangenen Jahres sorgten die Brandstiftungen für große Aufregung in der Stadt. Viele Rostocker hatten Angst um ihr Hab und Gut. Der spektakulärste Fall war das Feuerlegen in der Kleingartenanlage Burkäwer in Lütten Klein am 17. Dezember 2011. In der Nähe der Haltestelle Rügener Straße explodierte eine Laube in der Parzelle 19 und brannte anschließend bis auf die Grundmauern nieder. Der Angeklagte, der in Untersuchungshaft sitzt, gab gestern zu, durch eine kaputte Scheibe der Laubentür ins Innere gestiegen zu sein, dort mit seinem Feuerzeug ein Papiertaschentuch angezündet, eine Küchenrolle bis in den Wohnraum ausgerollt und das brennende Taschentuch darauf geworfen zu haben. Vom nahe gelegenen Rodelberg hätten er und Mathias K. dann die hellen Flammen und das Anrücken der Feuerwehr beobachtet.

Nach dem selben Schema ging der Angeklagte auch am ersten Weihnachtstag in der Kleingartenanlage Am Draguner Graben, im Elmenhorster Weg, vor. Auch hier hantierte Enrico Sch. mit dem Feuerzeug und einem brennenden Papiertaschentuch, das er auf die gestapelten Sitzkissen legte. Die Kissen fingen sofort Feuer und die Gartenlaube brannte komplett nieder. Die Gartenbesitzer Marion L. (43) und Hubert F. (67) wurden gestern als Zeugen gehört. Für beide Familien war der Garten ein Rückzugs- und Erholungsort. Marion L. trifft es dabei besonders hart, denn sie hat die Laube nicht versichert. Die 4500 Euro für ein neues Gartenhaus konnte die Erwerbsunfähige nur mühselig zusammenbringen. Hubert F. hat seinen Traum von einem Kleingarten aufgegeben. Einen Teil des Schadens von 12 000 Euro hat er ersetzt bekommen.

Enrico Sch. gestand gestern auch, am 24. Juli 2011 den Entenstall auf dem Gelände des ASB-Kinderheimes in Lichtenhagen angesteckt und ebenso am 20. November 2011 im dortigen Pferdestall ein Feuer gelegt zu haben. Erst am 24. April 2012 fand die Brandserie ein Ende. Gegen 22 Uhr drang Enrico Sch. allein in das alte stillgelegte Heizhaus, Langenort 10, ein, zündelte wieder auf die bekannte Art, diesmal aber gleich an zwei Stellen. Eigentlich wollte er sich durch eine Rauchvergiftung das Leben nehmen, erklärte er, aber als sich das Feuer ausbreitete, hätte er es mit der Angst bekommen und sei aufs Dach der Anlage geflüchtet. Dort nahm ihn die Polizei fest. Überhaupt hätte er die Brandstiftungen begangen, um seinen Frust abzubauen, den er mit seinen Mitbewohnern, aber auch mit seinen Betreuern hatte. Drei Schüler sagten aus, dass der Angeklagte ihnen per Internet mitgeteilt habe, die Brandstiftungen begangen zu haben. Außerdem wurden seine DNA-Merkmale an Blutanhaftungen in einem weiteren Grundstück der Burkäwer-Anlage gefunden. Der 16-jährige Mathias K. erreichte einen Freispruch vom Verdacht der Beihilfe. Das Urteil gegen Enrico Sch. soll am 29. Oktober verkündet werden.

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