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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. November 2017 | 05:51 Uhr

Volkstheater : Rostocker gegen das Kaputtsparen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Große Demonstration vor dem Rathaus. Redner betonen: Zusammen mit den Sparten sind auch kulturelle Werte in Gefahr.

svz.de von
erstellt am 29.Jan.2015 | 08:00 Uhr

„Es geht nicht nur um Arbeitsplätze. Es geht um unsere Würde.“ Als Matthias Brenner, Intendant des Theaters in Halle, das gestern Nachmittag über den Neuen Markt hallen lässt, stockt vielen der Atem. Dann ertönt lauter Applaus. Brenner kämpft für ein Theater, das nichtmal seines ist, für den Wert Theater. Er eröffnete die Rednergala der Demonstration, mit der die Initiative Volkstheater sich gegen die drohende Streichung der Sparten Musik- und Tanztheater auflehnte.

Etwa 500 Rostocker hatten sich gegen 15 Uhr auf dem Platz versammelt und über zwei Stunden das Programm, durchsetzt von Auftritten der Chorsänger und Tänzer, verfolgt. Die Organisatoren der Initiative Volkstheater hatten groß aufgefahren: Sie mobilisierten als Redner Kulturschaffende aus ganz Deutschland. Schauspieler wie Charly Hübner oder Corinna Harfouch wurden per Videobotschaft zugeschaltet. Nik Breidenbach hatte sich die Zeit genommen, um persönlich auf dem Neuen Markt zu sprechen. Die Redner appellierten an die Rostocker Bürgerschaft, die ab 16 Uhr nebenan im Rathaus tagte und im Februar über den Spartenerhalt entscheiden soll.

„Warum sieht man sich seitens der Politik gezwungen, die Theater kaputt zu sparen?“, hinterfragte Antje Jonas, Vorsitzende des Theaterfördervereins. „Wo soll der kulturelle Sinn der Theaterreform sein?“ Die Solidarität gelte jeder arbeitslos gewordenen Schlecker-Angestellten, aber Theaterbeschneidungen würden wie ein politischer Erfolg gefeiert, sagte sie. Und die Theatermitarbeiter, so sehr der kulturelle Wert wiegt, bangen auch um ihre Existenzen. Sichtlich bewegt war der 59-jährige Johannes Finsterbusch. „Es sollten keine Stellen mehr gestrichen werden“, sagte er. Seit 1988 ist er beim Opernchor des Theaters. Die Spartenschließung würde ihn ganz direkt betreffen. „Für uns ist die Situation sehr anstrengend. Aber wir haben Hoffnung, weil es solche Unterstützung gibt“, so die 50-jährige Sängerin Liliana Grillo. „Wir bekommen Kraft dadurch“, sagte Kollegin Akane Matsui (36).

Kraft gegen eine Art Virus, befand der politisch erfahrene Schauspieler und Regisseur Peter Sodann. Das Anti-Bildungs- und Anti-Kultur-Virus schleiche sich bei Politikern nach ihrer Ernennung ein – nach dem Motto: „Wenn es die Einrichtung nicht mehr gibt, müssen sie ja nicht mehr hingehen.“ Dass es sie nicht mehr gibt, sei noch nicht gesagt, so Intendant Sewan Latchinian. „Ich denke, eine knappe Mehrheit für uns ist möglich“, sagte er und bedankte sich bei den vielen Unterstützern dafür, dass sie so lange in der Kälte ausgeharrt hatten. Er habe ein Umdenken, ja auch Verunsicherungen bei einigen Bürgerschaftsmitgliedern bemerkt. Es sei allein schon ein gutes Zeichen, dass die Entscheidung der Bürgerschaft vertagt wurde. Dazu hätten die Unterstützer-Demonstrationen massiv beigetragen.

 

 

 

 

 

 

 

 

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