Erinnern : Rostocker gedenken der Opfer von 1938

Gedenken an die Opfer der Pogromnacht
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Gedenken an die Opfer der Pogromnacht

Andacht auf dem Jüdischen Friedhof / Bürgerschaftspräsident: Stadt muss gegen Rechts zusammenhalten

Es steht der jüdischen Tradition entgegen, im Dunkeln auf einen Friedhof zu gehen, erklärt Juri Rosov, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Rostock. Einmal im Jahr brechen viele Gemeindemitglieder aber damit – aus Respekt. Sie gedachten gestern auf dem Jüdischen Friedhof im Lindenpark der Opfer der Pogromnacht der NS-Gewaltherrschaft, die sich zum 76. Mal jährte. In dieser Nacht wurden jüdische Einrichtungen zerstört und angezündet. Danach wurden 64 Rostocker Juden in die Strafanstalt Altstrelitz verschleppt.

„Das Andenken an die Opfer ist wichtig“, sagte Rosov. Völlig still stand eine große Traube von Menschen zusammen – Rostocker Juden, Evangelen, Katholiken und Konfessionslose – mit Kerzen in den Händen, die das Dunkel erhellten. „Es gibt kaum noch Augenzeugen, die uns berichten können“, fuhr Rosov fort, „sie verlassen nach und nach die Welt.“ Er erinnerte in diesem Kontext an Frank Schröder vom Max-Samuel Haus, der im Juli verstarb. „Er half uns zu begreifen, das hinter jedem jüdischen Namen in Rostock eine Lebensgeschichte stand.“ Die Namen derer, die der systematischen Juden-Verfolgung zum Opfer fielen, als dessen Startpunkt die Pogromnacht gilt, finden sich zum Teil auf den Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof. Bürgerschaftspräsident Wolfgang Nitzsche (Linke) wandte sich an die Gemeinde: „Ich möchte Ihnen im Namen der Bürgerschaft meine Ehrerbietung zu diesem schrecklichen Tag vor 76 Jahren aussprechen.“ Viele haben damals weggesehen.

Die Stadtgesellschaft müsse zusammen gegen Rechtsextremismus stehen, sagte Nitzsche. Kantor Leonid Bogdan gestaltete mit Unterstützung aus der Gemeinde das Andenken mit Liedern und Rezitationen auf Hebräisch. Organisiert wurde das von der Katholischen und Evangelischen Studentengemeinde, der Jüdischen Gemeinde, dem Verein Arnold Bernhard und dem Max-Samuel-Haus. Heute um 10 Uhr wird an der Gedenkstele in der Augustenstraße der Zerstörung der Synagoge in der Nacht auf den 10. November gedacht.


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