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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 23:30 Uhr

Maritim : Rostocker fischen weltweit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Trawler für Warnemünder Hochseefischerei GmbH ist bald mit heimischer Kennung im Einsatz

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Die alten Hochseefischer bereiten derzeit ihr nächstes Traditionstreffen im Mai 2015 vor. Dieses Mal gibt es einen ganz besonderen Grund zum Feiern, denn seit 65 Jahren wird am Standort in Rostock-Marienehe mit Fisch gehandelt. Vor 45 Jahren wurde hier das Fischkombinat gegründet. Vor 25 Jahren entstand der Rostocker Fracht- und Fischereihafen, wo in Umschlag, Lagerung und Verkauf auch heute noch Fisch eine bedeutende Rolle spielt. Mit insgesamt 9000 Beschäftigten war zwischen 1950 und 1990 das Fischkombinat Rostock einer der führenden Wirtschaftsunternehmen an der Warnow. Die Flotte wuchs mit mehreren Schiffsgenerationen auf über 100 Fahrzeuge: Logger, Trawler, Fang- und Verarbeitungs- sowie Kühl- und Transportschiffe. Rostock wurde zum Heimathafen der größten deutschen Fischfangreederei. Das ist inzwischen längst Geschichte.


Von Ostgrönland bis Südpazifik im Einsatz


Wenn sich an den Kais des Rostocker Fischereihafens schon seit etlichen Jahren Schiffe deutscher Hochseefischer rar gemacht haben – es gibt sie noch und auch mit Rostocker Kennung. Gegenwärtig sind vier verbliebene Trawler dem Silber des Meeres vom Südpazifik bis Ostgrönland, von Norwegen bis Marokko auf der Spur. 475 Seeleute sind noch in der deutschen Hochseefischerei (Doggerbankgruppe/Deutsche Fischfangunion) tätig. Ihre Entwicklung ist nach 1990 eng verbunden mit dem holländischen Unternehmen Parlevliet und van der Plas (P&P).

Dessen Engagement in Deutschland hatte mit der Gründung der Doggerbank Hochseefischerei in Bremerhaven 1986 begonnen. P&P weitete 1993 die Geschäftsfelder auch auf Mecklenburg-Vorpommern mit der Tochterfirma Oderbank aus, die mit ROS 786 „Helen Mary“ ein neues Schiff erhielt – bei der Indienststellung in Rostock seinerzeit der modernste Schwarmfischfänger Europas. In den Folgejahren wurden weitere Eintragungen von Tochterfirmen ins Rostocker Handelsregister vorgenommen – ob Ost- oder Westbank und seit 2002 auch der Warnemünder Hochseefischerei. Im November 1998 war durch P&P auch die Mecklenburger Hochseefischerei übernommen worden.

Sitz der Verwaltung all dieser Reedereien, die nicht alle auch ein Schiff haben, wurde zunächst der Rostocker Fischereihafen, dann Warnemünde und vor zehn Jahren mit dessen Inbetriebnahme das von den Holländern gebaute Euro Baltic Fischwerk in Mukran. Flaggschiff der Hochseeflotte aus MV ist seit 2007 der 140 Meter lange Schwarmfischfänger ROS 171 „Maartje Theadora“, der mit einer Vermessung von 9082 BRZ (Bruttoraumzahl) eines der größten deutschen Fischereifahrzeug ist.

Nun ist Verstärkung für die kleine Flotte in Sicht. Voraussichtlich zum Jahreswechsel beziehungsweise Anfang nächsten Jahres bekommt die Warnemünder Hochseefischerei GmbH mit ROS 777 „Mark“ einen Neubau. Der 86,10 Meter lange, 16 Meter breite und 4270 BRZ große Hochseetrawler ist kürzlich auf der türkischen Tersan-Werft vom Stapel gelaufen. Das Schiff sei für den weltweiten Einsatz bestimmt, berichtet Geschäftsführer Dr. Uwe Richter. Schwerpunktmäßig werde es in der Kabeljau- und Seelachsfischerei bei Spitzbergen und Norwegen eingesetzt. Aber es sei auch für die Fischerei von Rotbarsch und pelagischen Arten wie Makrele und Holzmakrele zu nutzen. Der Trawler zeichne sich durch eine energiesparende Grundform aus. Seine Antriebsleistung beträgt 4000 Kilowatt und er biete Platz für 34 Personen.


Ersatz für verkaufte „Atlantic Peace“


Der Neubau ersetzt den Fischfänger BX 786 „Atlantic Peace“. Der in Bremerhaven beheimatete Trawler war bereits im Juli nach Südafrika verkauft worden, um im Rahmen der von der EU vorgegebenen Kapazitäts- und Fangbegrenzungen zu bleiben.

Nach jetzigen Planungen wird die Taufe von ROS 777 „Mark“ in Sassnitz-Mukran stattfinden.

Mit dem Namen „Mark“ erinnert das Unternehmen an den im Alter von 33 Jahren tragisch verunglückten Enkel des Firmengründers. Mark Parlevliet war in den deutschen Niederlassungen der Holländer leitend tätig gewesen.

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