medizin : Rostocker Firma friert Eizellen ein

Kontrovers diskutierte Methode: Durch die Entnahme von Eizellen und eine spätere Befruchtung können Frauen auch im hohen Alter noch Kinder bekommen.
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Kontrovers diskutierte Methode: Durch die Entnahme von Eizellen und eine spätere Befruchtung können Frauen auch im hohen Alter noch Kinder bekommen.

Schwangerschaften im hohen Alter sollen durch die Seracell-Methode möglich werden

svz.de von
05. Dezember 2014, 10:00 Uhr

Die Seracell Unternehmensgruppe aus Rostock will ab Januar ein Hochsicherheitslager für tiefgefrorene Eizellen in der Hansestadt aufbauen. Werden diese zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgetaut und künstlich befruchtet, können Frauen auch in hohem Alter noch Kinder bekommen. Seracell arbeitet dafür mit Kinderwunschzentren zusammen, beispielsweise dem in Potsdam, und übernimmt auch den Transport der Eizellen.

„Diese Form der Komplettlösung gibt es in Deutschland noch nicht“, sagt Prof. Mathias Freund, Gründer und Vorstand des Unternehmens. Nach Seracell-Angaben gab es in Deutschland im vergangenen Jahr rund 300 Behandlungen, im laufenden Jahr werde sich diese Zahl verdoppeln. „Wir rechnen mit einem sehr starken Wachstum“, sagt Freund. Die Methode existiere erst seit fünf, sechs Jahren. Ursprünglich wurde sie entwickelt, um Frauen auch nach einer Chemotheraphie den Kinderwunsch erfüllen zu können. Amerikanische Großkonzerne wie Apple und Facebook hatten zuletzt allerdings für Aufsehen gesorgt, weil sie ihren Mitarbeiterinnen die Eizellen-Entnahme aus Karrieregründen finanzieren.

Fakt ist, so Freund: „Die Fruchtbarkeit einer Frau fällt im Laufe ihres Lebens extrem ab.“ Jenseits der 30 sei es für sie in der Regel schwierig, schwanger zu werden. Bis dahin jedoch würden viele von ihnen studieren und Berufserfahrung sammeln wollen. Das Durchschnittsalter der Gebärenden in ganz Deutschland sei von 26 Jahren in 1975 auf 30,5 Jahre in 2010 gestiegen.

„Wir arbeiten seit mehr als anderthalb Jahren an dem Thema“, so Freund. Testläufe, bei denen Mäusen am Max-Planck-Institut in Dresden Eizellen entnommen wurden, diese nach Rostock transportiert, dort eingelagert, wieder nach Dresden zurückgebracht und dort befruchtet wurden, seien erfolgreich verlaufen. 80 Prozent der Eizellen waren nach der Wiederbelebung intakt.

Freund sagt aber auch: „Pro Behandlungszyklus beträgt die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft acht bis zehn Prozent.“ Für den gesamten Prozess müssten 3000 Euro und mehr veranschlagt werden. Kerngeschäft von Seracell ist die Aufbewahrung von Nabelschnurblut. Bisher wurden mehr als 55 000 Transplantate eingelagert.

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