Rio de Janeiro : Rostocker Fechterin darf nicht zu den Paralympics

Sylvi Tauber:  Ihre Nachnominierung für die Paralympics wurde am Donnerstag zurückgezogen.
Sylvi Tauber: Ihre Nachnominierung für die Paralympics wurde am Donnerstag zurückgezogen.

Dabei war Sylvi Tauber schon für die Spiele in Rio nachnominiert

svz.de von
26. August 2016, 21:00 Uhr

Nach dem Komplett-Ausschluss der russischen Sportler von den Paralympics darf sich Rollstuhlfechter Balwinder Cheema vom TuS Makkabi Rostock – wie bereits am Freitag kurz vermeldet – freuen, als einer der Nachrücker die Spiele ab 7. September in Rio de Janeiro erleben zu dürfen.

Seine Vereinskameradin Sylvi Tauber hingegen ist tief enttäuscht: Auch sie war bereits nachnominiert, doch wurde dies kurzfristig wieder rückgängig gemacht.

Der Hintergrund: Die Fechterin kam 1979 mit leichtem Downsyndom zur Welt. Ebenso war sie schon immer gehbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Hinzu kam eine Nierentransplantation, die eine eingeschränkte Beweglichkeit der Rumpf- und Bauchmuskulatur nach sich zog. Auf dieser „Grundlage“ startete Sylvi in der Kategorie B, einer der drei Startklassen, war hier zum Beispiel 2015 WM-Sechste mit dem Säbel.

Bis ein Landesverband auf einmal der Meinung war, dass Tauber in die Klasse A gehört, nicht B, und – offenbar in der Hoffnung, eine eigene Athletin protegieren zu können – beim Klassifizierungskomitee des Sport-Weltverbandes für Rollstuhlfahrer und Amputierte IWAS einen Prüfungsantrag stellte. Daraufhin zog das Internationale Paralympische Komitee IPC die angekündigte Nachnominierung Taubers zurück. Am Donnerstag wurden die Rostockerin und ihr Verein brieflich davon in Kenntnis gesetzt, dass Sylvi, solange die Streitfrage nicht geklärt sei, nicht bei den Paralympics starten dürfe.

„Das war für uns ein Horrortag“, sagt Trainer Alexander Bondar. „Es gibt Lückenstellen in den Regeln, die auch für uns Neuland sind und die jetzt von anderen ausgenutzt wurden. Sylvi ist eindeutig Startklasse B. In der A befinden sich gehbehinderte Menschen, meist Amputierte, mit voll funktionsfähiger Rumpf- und Bauchmuskulatur. Für mich ist das eine unfaire Entscheidung. Wir haben beim IPC Protest eingelegt, sehen die Chancen, dass er durchgeht, aber als sehr gering.“

Die 36-jährige Betroffene nahm die Botschaft einigermaßen gefasst auf: „Ich bin natürlich traurig, aber auch noch jung, und deshalb denke ich jetzt schon über Tokio 2020 nach.“

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