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Geschichte bewahren : Rostocker erfassen Kirchenbücher

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Projektteam der Nordkirche und der Universitätsbibliothek katalogisiert Werke aller 40 Bestände in MV. Netzwerk soll Erhalt sichern.

Tausende Bibeln, Erbauungsschriften, Lutherausgaben, aber auch Musikalia und kulturelle Werke lagern in den Beständen der Kirchenbibliotheken in MV. Welche das genau sind und was für Schätze sich unter ihnen befinden, wollen Konservierungswissenschaftlerin Cornelia Chamrad und Hellmuth Braun als Vertreter der Nordkirche bis Ende 2017 gänzlich erfassen. „Knapp die Hälfte der etwa 40 Kirchenbibliotheken in MV haben wir bereits untersucht“, sagt Chamrad. Dass es noch weitere, bisher unbekannte Bibliotheken gebe, wolle die Restauratorin nicht ausschließen. Für Hinweise sei das Team dankbar.

Das Gemeinschaftsprojekt der Nordkirchen- und der Unibibliothek Rostock ist im Frühjahr mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung gestartet. Seitdem waren Chamrad und Braun gemeinsam mit Andrea Herzig und Christiane Michaelis bereits in Schwerin, Barth, Neustrelitz und Bergen unterwegs.

In der Rostocker Nikolaikirche hat das Projektteam die Bibliotheksbestände eines Depos aus Teschendorf im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte durchkämmt, das dort eingelagert ist. „Registriert werden allgemeine Angaben zu den Werken, Zustand, Ort der Aufbewahrung und Handlungsempfehlungen – muss das Buch gereinigt oder umgelagert werden?“, sagt Chamrad. Auch besondere Funde werden hervorgehoben: „Oft findet man Einlagen in den Büchern. Das können Briefe sein, Fotos, Karten oder Sinnsprüche. In fast allen sind handschriftliche Notizen und Bemerkungen zu finden, zum Beispiel in Familienbibeln“, so die Konservatorin.

Aber die Wissenschaftler wollen die Kirchenbibliotheken nicht nur katalogisieren: „Ziele des Projekts sind neben der Erfassung der Werke auch die Vernetzung der Sammlungsbeauftragten sowie deren Beratung und Schulung“, sagt Braun. So sei die falsche Aufbewahrung Gift für die Bücher. Zu viel Licht, zu wenig Platz und vor allem Schimmel können die wertvollen Werke zerstören.

Im Anschluss an das Projekt seien die digitale Erfassung aller Werke oder wichtiger Einzelstücke denkbar sowie die Möglichkeit, sie für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dafür brauche es jedoch weitere Mittel und Unterstützung. „Was wir machen, ist erst mal Grundlagenforschung“, sagt Cornelia Chamrad.

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