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Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. September 2017 | 03:39 Uhr

Archäologie : Rostocker Born wird freigelegt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Fundamente des historischen Gebäudes zur Wasserversorgung können noch bis morgen besichtigt werden

svz.de von
erstellt am 08.Mai.2014 | 06:00 Uhr

Sie puzzeln. Stück für Stück arbeiten sich Marlies Konze und Giannina Schindler, Grabungsleiterinnen des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege, in die Tiefe. „Dieses Vorhaben ist etwas Besonderes, wir haben bisher keine Erfahrungswerte“, sagt Schindler. Schließlich ist das am Montag begonnene Freilegen des letzten verbliebenen Rostocker Bornes etwas Einmaliges.

„Die oberste Lage von dem, was vorhanden ist, haben wir freigelegt“, so Schindler. Alles, was abgetragen werde, müsse dokumentiert werden. Dafür ist Grabungsassistentin Petra Kohl (50) seit vorgestern auf der Baustelle zuständig: „Wir nehmen die Zeichnungen so in den Bestand auf, dass der Born in einer anderen Stadt wieder aufgebaut werden könnte.“

Bei den Sanierungsarbeiten der Straße Am Wendländer Schilde stieß man auf die dort vermuteten Fundamente des so genannten Altstädter Bornes zur mittelalterlichen Wasserversorgung. Das heute dort vorhandene Gebäude ist eine Kopie, die nicht auf den alten Fundamenten steht, sondern um mehrere Meter nach Nordosten versetzt errichtet wurde. Die Fundamente bestehen aus hiesigen Feldsteinen, Lübecker Ziegelsteinen und importierten Kalksteinen. Woher letztere stammen, prüfen die Archäologinnen noch.

Erstmals entstand das Borngebäude im späten 16. Jahrhundert. 1755 wurde es erneuert und bei den Luftangriffen 1942 beschädigt. 1948 trug man die Ruine ab, um den Born dann 1980 nach historischem Vorbild als technische Einrichtung für die Nikolaikirche wieder aufzubauen. Von dem Bau aus wurde städtischen Brauhäusern Wasser in hölzernen Leitungen zugeführt. „Möglicherweise liegt darunter sogar noch ein Vorgängerbau“, meint Schindler.

Von diesen längs durchbohrten Leitungen werden jetzt Proben abgesägt und eingeschickt – zur Ermittlung des Fälldatums der Bäume. Denn: „Die Leitungen könnten jünger sein als der Born“, erläutert Schindler das archäologische Puzzle. Das Bauwerk beherbergte seit dem Ende der 1920er-Jahre ein Museum der Wasserversorgung. Alte Fotos dazu besitzt der Rostocker Stadtarchivar Ralf Mulsowi.

Seit dem 15. Jahrhundert dienten Borne der Wasserversorgung. Zu ihrem Unterhalt schlossen sich Bürger in Borngesellschaften zusammen. So bestand die Altstädter Borngesellschaft in Rostock bis 1922. Die alten Fundamente werden laut Landesamt für Kultur und Denkmalpflege höchstens noch bis morgen zu sehen sein. Dann werden zwei Schächte für die Wasserversorgung des Gebiets angelegt. Die Straße wird zudem künftig breiter verlaufen. Der geschichtsträchtige Ort soll voraussichtlich durch ein Metallband gekennzeichnet werden.

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