Rostocker Ärzte setzen Bio-Stent ein

„Das ist ein wirklicher Quantensprung in der Herz-Medizin.“ - Prof. Christoph Nienaber, Direktor der Kardiologie
1 von 1
„Das ist ein wirklicher Quantensprung in der Herz-Medizin.“ - Prof. Christoph Nienaber, Direktor der Kardiologie

svz.de von
07. Januar 2013, 08:21 Uhr

Rostock | Erstmals haben Kardiologen der Universitätsmedizin Rostock biologisch abbaubare Stents eingesetzt. Zwei Patienten bekamen die neuartige Gefäßstütze, die nach drei bis sechs Monaten vom Körper restlos abgebaut wird. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass die Patienten Fremdkörper in den Herzgefäßen behalten. Außerdem wird die aufwändige medikamentöse Nachbehandlung stark verkürzt.

"Das ist ein Quantensprung", sagt Professor Dr. Christoph A. Nienaber, Direktor der Abteilung für Kardiologie an der Universitätsmedizin Rostock. Der Mediziner setzte die abbaubaren Bio-Stents Ende Dezember erstmals in Mecklenburg-Vorpommern bei zwei Patienten ein, die unter verstopften Herzgefäßen litten. Die Behandlung erfolge wie bei einem Standard-Eingriff mit dem Herzkatheter. "Mit dem Unterschied, dass der Stent nach einigen Wochen verschwindet", so Nienaber. "Zu diesem Zeitpunkt hat er seine Aufgabe erfüllt und das verstopfte Gefäß geweitet und wieder durchlässig gemacht."

Bislang verblieb der Metall-Stent im Körper, wo er nach und nach in das Herz gefäß einwächst. "Bis er vollständig eingewachsen ist, müssen die Patienten etwa ein Jahr lang Medikamente nehmen, um zu vermeiden, dass Erkrankungen wie Thrombosen entstehen", sagt Nienaber. Diese Nachbehandlung falle nun weg.

Der Stent mit dem Namen BVS (Bioabsorbable Vascular Scaffold) bestehe aus organischem Material, das im Körper rückstandslos abbaubar sei. Der neuartige Stent werde in Zukunft vermehrt bei passenden Krankheitsbildern und vor allem bei jüngeren Patienten eingesetzt werden, so Nienaber.

Seit etwa 20 Jahren werden Gefäßstützen eingesetzt. Vor zehn Jahren kamen erstmals aktive Stents zum Einsatz, die mit Medikamenten beschichtet waren, die die Gefäßverengung drastisch reduzierten. Auch der neue Bio-Stent ist mit Medikamenten beschichtet und löst sich erst auf, wenn er seinen Zweck erfüllt hat.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen