Künstler : Rostock zeigt Kästner-Illustrator

„Der Postillon“/„Alte Geschichte“, Farblithografie von 1922.
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„Der Postillon“/„Alte Geschichte“, Farblithografie von 1922.

Arbeiten von Walter Trier sind zur Illustrade im Kunstverein zu sehen. Zeichnungen für Kinderbücher und politische Statements.

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30. August 2015, 10:00 Uhr

Er zeichnete für Erich Kästners Kinderbücher, arbeitete für die Lustigen Blätter, den Ullstein-Verlag. Er fertigte eine Karikatur von Max Schmeling und gab Walt Disney einen Korb, für ihn zu zeichnen. Auch wer Walter Trier (1890-1951) dem Namen nach nicht kennt, der kennt seine Zeichnungen. Seine Illustrationen wie für „Emil und die Detektive“ machten Geschichte. Bei der Illustrade, dem Rostocker Festival für Illustrationskunst vom 10. bis 13. September, werden einige seiner Werke zu sehen sein zu seinem 125. Geburtstag.

„Er war zu seiner Zeit ein sehr bekannter Illustrator und prägend für die Illustrationsszene“, sagt Matthias Dettmann vom Kunstverein. In dessen Räumen wird der alte Meister zum Festival ausgestellt. Gezeigt wird unter anderem das Panoptikum, ein Buch mit themengebundenen Illustrationen von 1915 bis 1922. Es sind amüsante Zeichnungen, wie für Kinderbücher kommen sie daher, fröhlich bunt. Nur allzu bekannt wirken sie.

Aber der erfolgreiche Trier war mehr. „Er ist berühmt geworden mit politischen Geschichten“, sagt Dettmann, mit seiner Satire. Er bezog in seinen Arbeiten Stellung zum Beispiel gegen die Willkür der Obrigkeiten. Er entwarf sogar Flugblätter gegen das NS-Regime, die während des Kriegs über von Deutschen besetzten Gebieten abgeworfen wurden.

Sozialkritische Komponenten in scheinbar harmlosen Illustrationen begeistern auch den Rostocker Künstler Christoph Chciuk. „So was ist auch immer ein Zeitzeugnis“, sagt er. Es sei wie ein Abbild der Gesellschaft durch die Augen des Künstlers. Chciuk und seine Zeitgenossen stehen für die andere Seite des Festivals, die moderne. Ihre Arbeiten, ihre Illustrationen völlig unterschiedlicher Art, werden im Kröpeliner Tor zu sehen sein. Klassische Buchillustrationen sind ebenso dabei wie Collagen. Die zehn Organisatoren, Rostocker Kreative, haben bewusst eine breite Spanne gewählt und mit auch interaktivem Programm weitere Orte wie die Frieda 23 eingebunden, sogar eine fahrende Werkstatt wird unterwegs sein. Träger ist der Kunstverein. Der hat das Panoptikum schon aus dem Trier-Archiv in Konstanz erhalten. Von dort kommen bald weitere Werke, Zeitschriften, Buchcover, Karikaturen, die während des Ersten Weltkriegs entstanden. Dr. Antje Neuner-Warthorst vom Trier-Archiv wird die Ausstellung kuratieren. Diese bleibt über die Illustrade hinaus bis zum 14. Oktober Amberg 13 zu sehen.

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