Demo : Rostock: „Wir sind das Volkstheater“

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Rund 1000 Menschen demonstrieren auf dem Markt für den Erhalt aller vier Sparten.

svz.de von
06. November 2014, 10:00 Uhr

Eine regelrechte Feststimmung hat am Mittwoch auf dem Neuen Markt geherrscht. Rostocker aller Altersklassen kamen, um sich vor ihr Theater zu stellen und für seinen Spartenerhalt zu protestieren. „Wir sind das Volkstheater“, riefen die Menschen, den Blick zum Rathaus gewandt. Vor diesem stand der enthusiastische Organisator der Demonstration: Johann Pätzold.

Seit 10 Uhr hatte er auf dem Markt Stellung bezogen – mit einer kleinen Bühne und einem großen Banner: „Volkstheater muss sein“. Wie angekündigt, blieb der Protest morgens still, die Fenster des Rathauses meist zu. Es gab ja kaum etwas zu hören. Doch nach 15 Uhr, zur angekündigten Stoßzeit, waren rund 1000 Menschen auf dem Platz, das Mikro ging reihum. Und sie teilten mit Pätzold eine Forderung: „Herr Methling, Herr Brodkorb, kommen Sie runter. Stellen Sie sich!“ Nichts geschah. Sowohl vom Oberbürgermeister als auch vom Bildungsminister fehlte jede Spur. Stille im Rathaus. Doch die Fenster wurden geöffnet. Jetzt gab es mehr als genug zu hören und auf den vielen Transparenten zu lesen. „Nein zum Kulturkahlschlag“, „Ein Panzer – 5 000 000 Euro – Kultur unbezahlbar“, „Weniger ist leer“. Tänzerin Larissa Potapov und ihre Kollegen der Tanzcompagnie des Theaters waren bewegt. Die Menschen kamen für sie, damit ihre Sparte und das Musiktheater am Leben bleiben.

Auch die Don-Bosco-Schule unterstützte das Anliegen. „Wir arbeiten eng mit dem Theater zusammen“, sagt Lehrerin Annette Elsner. Regelmäßig gibt es für die Schüler kleine Konzerte und Aufführungen. Mit ausdrücklicher Erlaubnis ihrer Eltern kamen 49 Kinder der ersten bis vierten Klasse zur Demo. „Schule und Stadt sind eine Einheit“, sagte die Lehrerin. Sie fühle sich mit verantwortlich für den Bildungsauftrag und damit, für ein starkes Theater öffentlich einzustehen. „Eins, zwei, drei, vier – vier Sparten wollen wir“ sangen die Kinder im Chor. Sie hatten selbst gereimt. Die Menge stimmte mit ein. 15-Jährige genauso wie 80-Jährige, Verkäuferinnen, Ingenieure, Studenten.

Rostock hielt gestern auf dem Neuen Markt fest zusammen und erhob seine Stimme. Und die Bürgerschaftsmitglieder, die nach und nach ins Rathaus zur Sitzung einzogen, hörten sie. Das Gremium muss bis Ende Januar über die Struktur des Hauses entscheiden.

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