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Norddeutsche Neueste Nachrichten

24. November 2017 | 00:47 Uhr

Neuer Anlauf : Rostock will Graffiti-Plage eindämmen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Arbeitsgruppe lernt von Experten aus Pforzheim

„ACAB“, „Suptras“, diverse andere Schriftzüge oder auch einfach nur Kürzel – überall in der Stadt finden sich so genannte Tags von Sprayern. „Es ist bei Weitem nicht alles Kunst“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Hanske. Graffiti sind für viele Anwohner ein Ärgernis. 2013 wurden 664 Fälle angezeigt. Besonders betroffen ist die Kröpeliner-Tor-Vorstadt (KTV) mit 136 Fällen.

Die neue Arbeitsgruppe Graffiti, die sich auf Anregung des KTV-Ortsbeirats und aus dem städtischen Präventionsrat heraus gründete, thematisiert, wie man der bunten Schriftzüge Herr werden kann. Neun Mitglieder – Vertreter vom Stadtamt, der Polizei, vom Amt für Jugend und Soziales, des Tief- und Hafenbauamtes, des Stadtjugendrings, der RSAG oder auch des Haus- und Grundeigentümervereins sowie des Eigenbetriebs Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE) kommen darin zusammen, bringen unterschiedliche Kompetenzen ein. Auch Matthias Siems (SPD) vom Ortsbeirat KTV ist Teil der Gruppe. „Die Anwohner sprechen uns an und haben das Gefühl, dass nichts passiert“, sagt er. Und auch seinem Empfinden nach hat das Problem zugenommen.

Die Polizeistatistik sagt auf den ersten Blick etwas anderes. 2013 gab es im Vergleich zum Vorjahr 303 Strafanzeigen weniger. „Es kann sein, dass es tatsächlich weniger Vorfälle gibt, aber auch dass sich das Anzeigemodell verändert hat“, sagt Yvonne Hanske. Manche Eigentümer greifen einfach direkt zum Farbtopf und beseitigen die Schmierereien an ihren Fassaden. Eben das ist auch die Grundidee des Anti-Graffiti-Mobils aus Pforzheim, deren Macher die Rostocker Arbeitsgruppe sich für Ende Juni eingeladen hat, um von ihnen zu lernen. „Es geht darum, schnell Graffiti wieder zu beseitigen, um zu verhindern, dass immer wieder neu beschmiert wird“, sagt Siems. „Die meisten Sprayer suchen sich bevorzugt dicht besiedelte Wohngebiete und gut sichtbare Flächen“, bestätigt Yvonne Hanske.

Für die Sprayer ist es wenig erbaulich, wenn das eben Geschaffene gleich wieder verschwindet – das beugt vor. Dass das stimmt, zeige der Erfolg der Pforzheimer, sagt Siems: „Pforzheim ist ein Paradebeispiel.“ Wer Graffiti anzeigt, bekommt von den Pforzheimer Beamten den Kontakt zum Bürgerverein Nordstadt, der das Mobil organisiert – zusammen mit der Polizei, einer Malerinnung und einem Verein für Rechtspflege. Es finanziert sich über Spenden. Ein Vertreter der Polizei, ein Jugendrichter, Staatsanwalt und Malermeister erklären Ende Juni, wie es genau funktioniert. Vertreter der Stadt und der Malerinnung aus Rostock sind ebenfalls eingeladen, sagt Siems. Vielleicht fährt auch bald durch Rostock ein Mobil, das Schmiereien hinfällig macht. Die Arbeitsgruppe erwägt zudem, jungen Graffiti-Künstlern Flächen zur Verfügung zu stellen – eine Probierwerkstatt – im Sinne der Anwohner und der Kunst.

 

 

 

 

 

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