Ölauffangschiff der Marine : Rostock will die „Bottsand“ zurück

Das Spezialsschiff „Bottsand“ kann sich spalten und so mehr als 650 Quadratmeter Ölauffangfläche schaffen.
Das Spezialsschiff „Bottsand“ kann sich spalten und so mehr als 650 Quadratmeter Ölauffangfläche schaffen.

Die Marine hat das Ölauffangschiff von Hohe Düne nach Kiel verlegt. Im Katastrophenfall verzögert sich die Anfahrt damit um mehrere Stunden

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14. November 2015, 16:00 Uhr

Nach 20 Jahren vor Ort hat die Marine Anfang Oktober ihr Ölauffangschiff „Bottsand“ vom Stützpunkt Hohe Düne nach Kiel verlegt. Rostocks Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) will das jetzt möglichst schnell rückgängig machen. „Kiel ist rund 90 Seemeilen – etwa 180 Kilometer – entfernt“, sagt er. „Um in der Kadettrinne zu sein, bräuchte die ,Bottsand‘ neun Stunden, von Warnemünde aus waren es nur ein bis eineinhalb Stunden.“

Dabei sei die Wahrscheinlichkeit einer Havarie in der viel befahrenen Kadettrinne am größten. „Unter den 60 000 Schiffspassagen im Jahr sind 9000 Tanker“, sagt Matthäus. Im Fall eines Unglücks sei je nach Strömungs- und Wetterlage nicht nur die Ostsee, sondern auch die lokale Küste gefährdet. „Wenn was passiert, können wir uns das Gesicht schwarz anmalen, dann bekommen wir auf jeden Fall was ab“, sagt der Senator. Nur durch schnelles Handeln könne im Ernstfall die Ausbreitung eingedämmt werden.

Die Marine begründet ihren Schritt mit der Personalsituation. Um die geforderte Bereitschaft der mit Zivilisten besetzten „Bottsand“ innerhalb von zwei Stunden an jedem Tag im Jahr sicherzustellen, „ist eine Verlegung nach Kiel unumgänglich“, so ein Marinesprecher. Anders könne die Arbeitszeitverordnung nicht eingehalten werden. Deswegen seien innerhalb eines Pilotprojektes neben der „Bottsand“ auch alle zivil besetzten Marine-Schlepper nach Kiel verlegt worden, unter anderem die „Langeness“ aus Hohe Düne. Der Befehl gilt zunächst bis zum 30. November 2016. Erst danach soll die endgültige Entscheidung über die Stationierung fallen. „Mit einer ähnlichen Maßnahme in der Nordsee konnte die Auslastung erheblich verbessert werden“, erklärt der Sprecher. Zudem werde umgekehrt der Weg der „Bottsand“ beispielsweise in die Kieler Bucht kürzer.

Aus Sicht von Rostocks Hafenkapitän Gisbert Ruhnke ist das Vorgehen der Marine wegen deren Personalknappheit zwar verständlich. Sicherheitstechnisch jedoch „haben wir damit ein echtes Problem“. Die Folgen einer großen Katastrophe im Gebiet der mittleren oder nördlichen Ostsee seien ohne die „Bottsand“ kaum zu beherrschen. „Für die reine Ölbekämpfung in Massen haben wir nur sie“, sagt Ruhnke. Und die Hansestadt sei durch ihre geografische Lage als Standort prädestiniert. Zwar gebe es in Rostock noch das Ölfangschiff „Vilm“ und das Feuerlöschboot, deren Kapazität und Seegangstauglichkeit seien jedoch sehr begrenzt.

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