Prozess : Rostock verliert das Hafenhaus

Dunkle Wolken über dem Hafenhaus: Die Stadt hat vor Gericht ihren Besitzanspruch verloren.
Dunkle Wolken über dem Hafenhaus: Die Stadt hat vor Gericht ihren Besitzanspruch verloren.

Gericht spricht Sitz des Sail-Büros und frühere Theateraußenstelle Leasing-Gesellschaft zu / Stadt legt Revision ein

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19. November 2015, 20:56 Uhr

Das Hafenhaus, Sitz des ehemaligen Theaters im Stadthafen und des Hanse Sail-Büros, gehört nicht der Hansestadt Rostock. Das hat ein Gericht entschieden. Die Stadt, vertreten durch den Eigenbetrieb für Kommunale Objektbewirtschaftung und -entwicklung (KOE), hat Revision eingelegt.

„Das Hafenhaus befindet sich offiziell nicht im Besitz der Stadt“, bestätigt KOE-Chefin Sigrid Hecht. Es werde von ihr genutzt, ohne dass es dazu das Recht gebe. Hintergrund: Die Stadt hatte das Hafenhaus 1998 an einen Immobilienfonds, eine Leasinggesellschaft, verkauft, weil es in einem schlechten Zustand war. Das Geld für die komplette Sanierung war nicht verfügbar. Gleich nach dem ersten Vertrag wurde ein zweiter aufgesetzt, ein Leasing-Vertrag. Er räumte der Stadt das Nutzungsrecht ein – mit der Option, dass das Haus später wieder ihr gehört.

„Die Angelegenheit beschäftigt mich seit acht Jahren“, sagt Hecht. So lange streiten sich KOE und Leasinggesellschaft bereits über die Vertragsmodalitäten – mit dem Ergebnis, dass seit dem vergangenen Jahr feststeht: Das Haus gehört nicht der Stadt. Ganz so einfach will die sich aber nicht geschlagen geben. Sie hätte das Gebäude ja nie verkauft, hätte sie nicht gewusst, dass sie es weiter nutzen kann, heißt es aus der Verwaltung. Dieses Ansinnen unterstreiche der zweite Vertrag. Ist der ungültig, müsse es auch der erste sein und das Haus damit im Besitz der Stadt. „Wir denken, dass wir doch Eigner sind“, sagt auch Hecht. Im Dezember treffen sich der Eigner und Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). „Ziel ist eine außergerichtliche Einigung“, sagt Hecht. Das Ergebnis sei aber offen.

Außen vor sind diejenigen, an die der KOE untervermietet hat. Das sind unter anderem das Hanse Sail-Büro, Nutzer der früheren Theater-Bühne, Arztpraxen oder auch ein Restaurant. „Es gibt auch eine Anfrage vom Volkstheater“, sagt Hecht. Das wolle das Haus möglicherweise im Frühjahr wieder bespielen. Mit Geschäftsführer Stefan Rosinski verständige sie sich regelmäßig, aber immer unter Vorbehalt. Denn möglich wäre die Bespielung nur, wenn die Stadt das Gebäude dann noch nutzen kann. Wenn es im Februar ein Urteil zugunsten der Leasinggesellschaft gibt und die das Gebäude verkauft, hätte die Stadt ihr Hafenhaus endgültig verloren.

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