Wissenschaft : Rostock taucht in die Zukunft ein

Der Tauchroboter von Eva Thiede von Enitech arbeitet autonom und kann sich an einer Station auf dem Meeresgrund wieder aufladen. Das erhöht die Einsatzzeit unter Wasser.
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Der Tauchroboter von Eva Thiede von Enitech arbeitet autonom und kann sich an einer Station auf dem Meeresgrund wieder aufladen. Das erhöht die Einsatzzeit unter Wasser.

Beste Forschungsbedingungen und erste Erfolge: Hansestadt soll zentraler Ostsee-Teststandort für Unterwassertechnologien werden.

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03. November 2015, 08:00 Uhr

Der Abbau von Manganknollen am Meeresboden, die Wartung von Offshoreplattformen unter Wasser oder Forschungsfahrten in die Tiefsee – das Equipment dazu könnte künftig in Rostock getestet werden. Darauf setzt Christian Weiß, Geschäftsführer der Wirtschaftsfördergesellschaft Rostock Business. „Die Testinfrastruktur für Unterwassertechnik gibt es an der Ostsee noch nicht“, sagt er. „Für Rostock könnte das ein Alleinstellungsmerkmal werden.“ Erste Verhandlungen mit einem Unternehmen aus Bayern gebe es bereits. Die Firma stelle große Bohrgeräte her und wolle neue Verankerungstechniken testen. „Mit dem künstlichen Riff der Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei haben wir durchaus Möglichkeiten, das vor Ort zu machen“, so Weiß. Generell stecke in der Branche viel Potenzial. „Wir haben aktuell zwei Windparks vor der Küste von Mecklenburg-Vorpommern, die auch unter Wasser gewartet werden müssen“, sagt Weiß. Der Mensch sei zeitlich aber nur sehr begrenzt zu dieser Arbeit fähig, Roboter hingegen könnten es länger und in größerer Tiefe ohne Sauerstoff aushalten. Sie stellen damit die billigere Alternative dar.

Bereits im August vergangenen Jahres organisierte Rostock Business gemeinsam mit dem Verein Subsea Monitoring Network und der Gesellschaft für Maritime Technik einen Workshop zu Unterwassertechnologien. Knapp 100 Teilnehmer überzeugten sich damals von den Vorzügen des Standorts Rostock. Diese bestehen unter anderem in möglichen Partnern wie der Uni, dem Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) oder auch dem Fraunhofer-Institut für Grafische Datenverarbeitung. Außerdem bietet die Hansestadt kurze Wege und die Ostsee stabile Bedingungen, um neue Schlüsseltechnologien zu entwickeln und zu erproben. „Bevor Unternehmen ihre Produkte in sehr tiefem Gewässer oder anderen extremen Bedingungen testen, sind die vielfältigen Testinfrastrukturen wie beispielsweise der Drucktank am Lehrstuhl für Meerestechnik der Uni, der bis 6000 Meter Tiefe simulieren kann, sehr sinnvoll“, so Weiß damals.

Ein regionales Erfolgsbeispiel der Branche ist die Enitech Energietechnik-Elektronik GmbH aus Bentwisch. Sie hat zusammen mit dem IOW einen Tauchroboter entwickelt, der dem Druck in der Tiefsee standhält und so die sensiblen Messgeräte schützt. Außerdem ist das Gerät deutlich günstiger als die Unterwasserfahrzeuge älterer Generationen.

Künftig sei beispielsweise auch die Entwicklung und Erprobung von Sonar-Systemen wie Sedimentecholoten oder Seitensichtsonaren am Standort Rostock denkbar, ist Weiß überzeugt. Generell seien neue Schlüsseltechnologien entscheidend für die künftige Gewinnung von Energie, Rohstoffen oder auch Nahrungs- und Arzneistoffen aus dem Meer beziehungsweise vom Meeresboden.

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