Rostock strickt am Verkehrsplan

<strong>Der wilde Parkplatz am Wendländer Schilde</strong> ist einer der wenigen Orte, an denen Autos in der Innenstadt noch ohne zu bezahlen abgestellt werden können. <foto>geos</foto>
Der wilde Parkplatz am Wendländer Schilde ist einer der wenigen Orte, an denen Autos in der Innenstadt noch ohne zu bezahlen abgestellt werden können. geos

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29. Januar 2013, 09:48 Uhr

Rostock | Ein Parkplatzkonzept und mehr Anwohnerstellplätze für die Östliche Altstadt, Tempo 30 rund um die Steintorkreuzung oder die Abschaffung von Bedarfsampeln für Fußgänger und Radfahrer - das sind nur einige der Vorschläge, die gestern Abend bei der Verkehrskonferenz für Stadtmitte gemacht wurden. Einwohner und Anlieger hatten dabei Gelegenheit, mit dem Tiefbauamt, Bausenator Holger Matthäus (Grüne) und Vertretern der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) über die größten Verkehrsprobleme und mögliche Verbesserungen zu sprechen.

Die gestrige Diskussion im Bürgerschaftssaal war die letzte von insgesamt 16 Ortsteil-Konferenzen zum Thema Verkehr. Fast 700 Hansestädter haben sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten insgesamt daran beteiligt. Ob Parkplatznot in der KTV, die Busanbindung von Stadtteilen am Rande Rostocks und im Umland oder der Zustand von Gehwegen in Wohngebieten mit vorwiegend älterer Bevölkerung - die Bürger sagten, wo aus ihrer Sicht der Schuh drückt, und wie Rostock es besser machen könnte.

Gefährliche Kreuzungen entschärfen

"Ich bin gekommen, um eine Tempo-30-Regelung rund um die Steintor-Kreuzung anzuregen", sagte Martin Plant gestern. Der Leiter der Jenaplanschule in der Lindenstraße beobachte immer wieder, dass gerade den kleineren Kindern auf ihrem Schulweg der Überblick fehlt, um die komplizierte Kreuzung sicher zu überqueren.

Auch andere Kritikpunkte gab es an der stark befahrenen Kreuzung. "Als Fußgänger ärgert mich immer wieder, dass das Umsteigen so umständlich und manchmal wegen der langen Wege und Ampeln gar nicht zu schaffen ist", sagte Bernd Lange. Ein Problem, das der RSAG bekannt ist. "Wir stimmen uns laufend mit dem Tiefbauamt ab, wie wir dort etwas verbessern können", sagt RSAG-Angebotsplaner Pedro Poeggel. Langes Vorschlag, die Haltestelle in Richtung Neuer Markt auf Höhe des Steintors zusammenzufassen, will er prüfen. Nach Aussagen von Matthäus ist die Stadtverwaltung ohnehin dabei, den gesamten Knoten am Steintor zu überarbeiten. Eine visionäre Lösung für den Brennpunkt schlug Dr. Jürgen Puls vor: "Straßenbahnen und Autos sollten vor dem Steintor in einen Tunnel fahren und erst erst hinter dem Neuen Markt wieder hinauskommen."

Kritik gab es auch von Rostocks Radfahrern. Sie bemängeln die Oberflächen auf wichtigen Wegen wie durch die Altstadt oder parallel zur L22. Auch Bedarfsampeln sind ihnen an vielen Stellen, etwa am Vögenteich, am Schröderplatz oder Goetheplatz ein Dorn im Auge. Auf der Vorschlagsliste finden sich außerdem verbesserte Radwege-Verbindungen ins Umland, beispielsweise über das Gelände des ehemaligen Friedrich-Franz-Bahnhofs oder über die Holzhalbinsel. Fußgänger wünschten sich in Stadtmitte vor allem breitere Wege und kürzere Ampelphasen. Mit Blick auf den Autoverkehr ist eines der größten Probleme das Parken. "Das Anwohnerparken wird in unserem Stadtteil immer ein Thema sein", sagt Andreas Herzog (SPD) aus dem Ortsbeirat.

Die Ergebnisse aller Verkehrskonferenzen fließen jetzt in den so genannten Mobilitätsplan Zukunft (MOPZ). "Er folgt auf das Integrierte Gesamtverkehrskonzept von 1998 und soll als Richtlinie für die zukünftige Arbeit der Verwaltung bis 2025 dienen", erläutert Matthäus. Er betont, dass er den Dialog mit den Bürgern zum Verkehr in diesem Jahr fortführen will. Auch außerhalb der Konferenzen können in den kommenden Monaten noch Vorschläge an das Tiefbauamt gegeben werden. Eine abschließende Beschlussvorlage für den MOPZ soll es 2014 geben.

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