Umweltschutz in der Kreuzschifffahrt : Rostock strebt Vorreiterrolle an

Umweltorganisationen kritisieren seit langem, dass Kreuzfahrtschiffe auf hoher See mit Schweröl fahren und zu viele giftige Schadstoffe wie Ruß, Schwefel und Kohlendioxid durch ihre Schornsteine blasen.
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Umweltorganisationen kritisieren seit langem, dass Kreuzfahrtschiffe auf hoher See mit Schweröl fahren und zu viele giftige Schadstoffe wie Ruß und Schwefel durch ihre Schornsteine blasen.

Bürgerschaft segnet gemeinsamen Deklarations-Entwurf mit anderen Kreuzfahrtstädten ab. Ausstoß schädlicher Emissionen soll gesenkt werden.

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27. Juni 2016, 06:00 Uhr

Rostock will mit den anderen Kreuzfahrtstädten des Ostseeraums sowie Oslo, Bergen und Hamburg eine Deklaration unterzeichnen und damit ein gemeinsames Bekenntnis zu mehr Umweltverträglichkeit abgeben.

„Die Häfen und die Tourismuszentralen arbeiten zusammen, aber nicht die Verwaltungen“, sagt Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne). Sie hätten kein Konzept, keine eigenen Grundlagen. Es brauche eine Deklaration, „damit klar ist, in welche Richtung das gehen soll“, so der Senator. Mit ihr könne Rostock international Einfluss auf Entwicklungen zur umweltfreundlichen Kreuzschifffahrt nehmen. Einen Entwurf dafür hat er nach der Abstimmung mit der Hafen-Entwicklungsgesellschaft Rostock (Hero) den Bürgerschaftsfraktionen vorgelegt.

Matthäus erntete grundsätzliches Einverständnis, jedoch auch Kritik. „Die Zusammenarbeit der Häfen ist natürlich wichtig, uns beschäftigt auch die Umweltfreundlichkeit“, sagte Anke Knitter von der SPD-Fraktion, „die Deklaration klingt sehr schön, das ist aber schon ein Problem, das ich damit habe.“ Ihr Vorwurf: sehr unkonkret. Anders als behauptet, habe Rostock ihrer Ansicht nach auch keine Vorreiterrolle in der umweltfreundlichen Schifffahrt inne. „Wir hinken sehr stark hinterher“, sagte Knitter. Während die USA Emission-Control-Areas unterhalten, in denen spezielle Umweltrichtlinien zu vielen Emissionen und Entsorgung eingehalten werden müssen, gebe es die in der Ostsee nur für Schwefel. Fortschritte sieht sie in der Inbetriebnahme der Hybridfähre „Berlin“, aber Ausbaupotenzial für mehr Umweltverträglichkeit dahingehend, schnelleres Wenden zu ermöglichen.

Auch die Linke habe sich gewundert, dass der Entwurf so allgemein gehalten ist, sagte Fraktionsspitze Eva-Maria Kröger. Feinstaub, Landstromanschlüsse, das könnten doch alles Themen sein, befand sie. Jedoch: „Wir haben es jetzt so verstanden, dass die Deklaration ein Auftakt sein soll“, sagte Kröger. Der abgestimmte Entwurf des Senators wurde bestätigt. Die Verwaltung soll bei anderen Kreuzfahrtstädten um Zustimmung werben. In der Arbeitsgruppe Onshore Power Supply, eine Interessengemeinschaft aller Kreuzfahrthäfen des Ostseeraumes, ist die Deklaration bereits zur Diskussion eingebracht worden. Die Nähe von Hafenwirtschaft und Wohnstandort, so Matthäus, stelle besondere Herausforderungen an Rostock und die meisten anderen Kreuzfahrtstädte des Ostseeraumes.

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