zur Navigation springen

Bürgerschaft entscheidet : Rostock setzt seine Verkehrsziele

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bürgerschaft entscheidet heute über den Mobilitätsplan Zukunft 2030. Zoff um Straßenbahn-Erweiterung und Busspur auf Tessiner Straße

von
erstellt am 06.Dez.2017 | 07:51 Uhr

Ausbau des Straßenbahnnetzes bis zum Ostseepark und durch ein mögliches Groß Biestow, eine Umgehungsstraße für Nienhagen und eine für Gehlsdorf, neue S-Bahn-Haltestellen – all das beinhaltet der Mobilitätsplan Zukunft (Mopz), über den die Bürgerschaft heute abstimmt. Das Papier legt Rostocks Verkehrsprojekte und -ziele bis 2030 fest. „Es ist eine Kompromisslösung“, sagt Heike Schröder vom Amt für Verkehrsanlagen. „Wir wollen das verkehrspolitische Leitbild definieren.“

Erklärtes Mopz-Ziel ist die Senkung des Kfz-Anteils im Verkehr von 36 Prozent im Jahr 2014 auf 31 Prozent im Jahr 2030 – und das trotz eines Bevölkerungsanstiegs auf 240 000 Einwohner allein in Rostock. Erreichen will das Team um Bau- und Umweltsenator Holger Matthäus (Grüne) das durch die Stärkung umweltfreundlicher Fortbewegungsarten mit dem Rad, per Bus und Bahn oder zu Fuß.

Schlüsselprojekte und -vorhaben aus dem MOPZ

• Verbindungsstraße zwischen Lichtenhagen und Elmenhorst
• Straßenbahnanbindung bis zum Ostseepark Sievershagen
• Straßenbahn und Straßenspange durch Groß Biestow
• Umbau des Werftdreiecks
• Koordinierung des Kfz-Verkehrs Goetheplatz bis Warnow
• Aufwertung von Park and Ride
• Ausbau von Carsharing
• Busspur Tessiner Straße/ Mühlendamm
• Einführung einer E-Bus-Linie
• Radschnellwege
• Schaffung eines Fußgängerplateaus zur Querung der L 22
• Verkürzte Ampelzeiten für Fußgänger und Radfahrer zwischen  Stadthafen und Vögenteich
• Neue S-Bahn-Haltestellen in Groß Klein und Schmarl
• Wiederanbindung des Seehafens an S-Bahn-Verkehr

Kritik kommt von der Industrie- und Handelskammer (IHK). „Für uns sind die Verkehrszahlen eine Art Blackbox und überhaupt nicht nachvollziehbar – es wird mehr Wirtschafts- und Pendlerverkehr geben“, sagt Hauptgeschäftsführer Jens Rademacher. Da seien Pläne wie die Einrichtung einer stadteinwärts gerichteten Busspur im Abschnitt Tessiner Straße und Mühlendamm kontraproduktiv. Sie wäre für alle anderen Autofahrer gesperrt. Übrig bliebe an dem schon heute bestehenden Nadelöhr nur noch eine Spur. Das kritisierte zuletzt auch der Bauausschuss der Bürgerschaft. Aus Sicht von dessen Vorsitzendem Frank Giesen (CDU) besteht das Grundproblem auf dieser Strecke in der Warnowstraße zwischen L 22 und Mühlendamm: „Sie ist ein riesengroßes Verkehrshindernis in jede Richtung.“ Und das sei hausgemacht.

Auch der Verein Leben in Biestow sieht den Mopz skeptisch. Er fordert in einem Brief an den Bürgerschaftspräsidenten, das Papier „in der vorliegenden Fassung nicht zu beschließen“. Die Sorge gilt der Einrichtung eines möglichen Stadtteils Groß Biestow durch die Hintertür. „Mit einem Beschluss des Mopz in der vorliegenden Fassung bekennt sich die Bürgerschaft zur wohnbaulichen Entwicklung Biestows“, erklärt Vereinschef Klaus-Peter Müller.

Kommentar von Torben Hinz: Alle Optionen offen halten

Rostock wächst und mit der Einwohnerzahl wird die Zahl der Verkehrsteilnehmer steigen. Darauf muss die Stadt reagieren und tut es mit dem Mobilitätsplan Zukunft. Viele der darin aufgeführten Bauprojekte und Ziele sind sinnvoll, beispielsweise die angestrebte Senkung des Kfz-Anteils am Verkehr. Ob dessen Umsetzung allerdings auch realistisch ist, bezweifelt nicht nur die IHK. Schon heute wäre angesichts voller Straßen und der allgemeinen Parkplatznot eigentlich davon auszugehen, dass die Menschen vermehrt das Auto stehen lassen. Zumindest gefühlt ist das Gegenteil der Fall. Derzeit auf Eis gelegte Projekte wie eine Südtangente zwischen Tessiner Straße und Südring müssen daher eine Mopz-Option bleiben. Dabei ist klar, dass nicht jede aufgeführte Maßnahme auch Realität wird. Das könnte nicht zuletzt die Biestower etwas beruhigen.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen