Rostock schützt sich vor der Regenflut

Nach tagelangen Regenfällen steht die Siedlung Evershagen-Dorf im Juli 2011 unter Wasser. Foto: chrw
Nach tagelangen Regenfällen steht die Siedlung Evershagen-Dorf im Juli 2011 unter Wasser. Foto: chrw

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09. Juli 2012, 07:36 Uhr

Rostock | Es waren die schwersten Regenfälle, die Rostock seit Jahrzehnten erlebt hat: Als sich im Juli und August des vergangenen Jahres Wolkenbruch nach Wolkenbruch über der Hansestadt ergoss, hatten viele Menschen monatelang unter den Folgen zu leiden. Häuser in Evershagen und Hohe Düne wurden überflutet, in den Stadtdörfern standen die Keller voll, Straßen wurden unterspült und ganze Kleingartenanlagen wie in Warnemünde überschwemmt. Einige Betroffene mussten ihre Häuser vorübergehend räumen, ihr Hab und Gut dabei aufgeben. Der Schaden für die Stadt belief sich auf etwa 900 000 Euro. "Seitdem ist einiges passiert. Bestimmte Schutzmaßnahmen stehen aber noch aus", sagt Jürgen-Leo Leopold von der Bürgerinitiative in Evershagen-Dorf. Diesen Stadtteil hatte es besonders schwer getroffen.

Stadt, Verbände und Wassernetzbetreiber Eurawasser hatten nach den Überschwemmungen von 2011 dort einige Sofortmaßnahmen angeschoben: Direkt am Wohngebiet ist der westliche Fanggraben zur Entwässerung der Obstplantage entstanden. Im Brigitte-Reimann-Ring wurden sekundäre Abläufe in den Schmarler Bach geschaffen und in der Ricarda-Huch-Straße ein Bypass. Zusätzlich entstand ein Notüberlauf am Regenrückhaltebecken. Der Schmarler Bach wurde ausgebaggert. "Das alles sind probate Mittel zum Schutz vor weiteren Überschwemmungen. Aber solange der südliche Fanggraben nicht fertig ist, sind der alte Dorfkern, die Siedlung Obstplantage und die Häuser nördlich der Theodor-Körner-Straße weiter gefährdet", sagt Leopold. Die Anwohner fordern deshalb, dass der Rest des Grabensystems noch in diesem Jahr gebaut wird.

"Das System soll im Herbst dieses Jahres fertig werden", sagt Andreas Neupert, der im Amt für Umweltschutz die Abteilung Wasser und Boden leitet. Er weist auf darauf hin, dass auch zur Entlastung des Laaksystems schon einiges unternommen wurde. "Ein neuer Durchlass unter der Stadtautobahn wurde begonnen." Das bisherige Nadelöhr in Höhe des Schleusenbergs wird deutlich erweitert. Über diese Leitung wird das Diedrichshäger Moor kontinuierlich in die Unterwarnow entwässert. Vom Rückstau nach dem Regen im vergangenen Jahr war vor allem Warnemünde betroffen. Im Herbst dieses JAhres werden die Baumaßnahmen weitergehen. Anschließend, so Neupert, sollen das Schöpfwerk und die dahinterliegenden Gräben angepasst werden. Für die Umsetzung der langfristigen Maßnahmen hofft die Stadt auf Fördermittel vom Land. Grundlage für die Bemessung der neu zu bauenden Anlagen ist die maximale Menge, die rein statistisch in 100 Jahren vorkommt.

Bei den Regenfällen im vergangenen Sommer hat es sich allerdings sogar um ein Jahrtausendereignis gehandelt. Zu diesem Schluss kommt Dr. Dietmar Mehl vom Institut Biota in einem hydrologischen Gutachten. Seine Expertise ist die Grundlage für die Schutzmaßnahmen von Stadt, Eurawasser, Warnow-Wasser und -Abwasserverband sowie Wasser- und Bodenverband Untere Warnow-Küste.

Um ein Jahr nach den Überschwemmungen noch einmal Bilanz zu ziehen, will die Initiative Evershagen-Dorf alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch bringen. Am 4. August soll es im Stadtteil ein Bürgerfest mit Anwohnern, Ämtern und Verbänden geben. Dabei sollen die bisherigen Ergebnisse ausgewertet und weitere Pläne besprochen werden.

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