Rostock rechnet nach

Die Sanierung des Volkstheaters hätte das Land auch  unterstützen  können, meint Rostocks OB Roland Methling. geos
Die Sanierung des Volkstheaters hätte das Land auch unterstützen können, meint Rostocks OB Roland Methling. geos

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30. November 2012, 07:37 Uhr

Rostock | Die Wellen in der Hansestadt schlagen hoch - einen Tag nachdem bekannt geworden ist, dass die Landesregierung das Volkstheater Rostock gegenüber dem Staatstheater in Schwerin in den vergangenen 16 Jahren massiv benachteiligt hat. "Jetzt wird deutlich, wie groß die Ungleichbehandlung wirklich ist", sagt Eva-Maria Kröger, Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bürgerschaft. Ein Papier aus dem Kultusministerium hatte gezeigt, dass die Schweriner Bühne seit 1996 fast 33 Millionen Euro aus Landestöpfen für Projekte, Arbeitsmarktmaßnahmen oder Umbauten an dem landeseigenen Haus bekommen hat. An das Volkstheater sind im selben Zeitraum lediglich 1,13 Millionen Euro geflossen.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion, Dr. Steffen Wandschneider, warnt davor, Fördersummen aus der Vergangenheit gegeneinander aufzurechnen - und steht damit fast alleine. Auch Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) sieht eine Ungleichbehandlung. "Es hätte sicher auch im Ermessen des Landes gelegen, sich an den Sanierungskosten für das Große Haus zu beteiligen." Der Investitionsstau am Volkstheater hatte über Jahre dazu geführt, dass das Große Haus für eine umfassende Brandschutzsanierung schließen musste. "Das haben wir jetzt zwar aufgeholt. Schwerin hat aber noch immer einen Vorsprung, wenn es um die Automatisierung der Bühne, die Proben- und Arbeitsbedingungen geht", sagt der kaufmännische Geschäftsführer des Volkstheaters, Stefan Rosinski.

"Die große Differenz in der Fördersummen zeigt, wie sehr sich Rostock als Kommune immer wieder hinter das Volkstheater stellen musste und gestellt hat", sagt Kröger. Denn die Hansestadt habe anfallende Kosten immer wieder allein abfangen müssen. Die Linksfraktion erwarte nun, dass dies eine Rolle in den Verhandlungen zur neuen Theaterstruktur im Land spiele. CDU-Fraktionschef Prof. Dieter Neßelmann wird deutlicher: "Wir fühlen uns in der Forderung bestärkt, dass Land und Bund sich an den Investitionen für einen Neubau beteiligen müssen." Aus seiner Sicht ist nun die Rathausspitze am Zug, darüber konstruktiv mit dem Land zu verhandeln.

Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) hatte die Aussicht auf eine Landesförderung für einen Neubau zuletzt an die Bereitschaft Rostocks gekoppelt, sich in eine landesweite Struktur einzubinden. Im gleichen Atemzug schlug die Landesregierung eine vollständige Fusion der Bühnen oder die Zusammenlegung der Musiktheater- und Orchestersparten vor.

Rostock hatte sich allerdings für den Erhalt der Eigenständigkeit des Volkstheaters ausgesprochen. Dafür will sich Kultursenatorin Dr. Liane Melzer (SPD) auch weiter einsetzen. Durch das Bekanntwerden der Summen für die zusätzliche Kulturförderung sieht sie Rostock nun in einer selbstbewussteren Verhandlungsposition.

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