Rostock plant Spielplatz auf dem Neuen Friedhof

„Ich sehe darin nicht den Niedergang der abendländischen Friedhofskultur.“ - Dr. Stefan Neubauer, Leiter des Rostocker Grünamtes
„Ich sehe darin nicht den Niedergang der abendländischen Friedhofskultur.“ - Dr. Stefan Neubauer, Leiter des Rostocker Grünamtes

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02. Mai 2012, 08:21 Uhr

Rostock | Ein Spielplatz oder Konzerte auf dem Neuen Friedhof, eingebettet in idyllische Parkstrukturen - ein Friedhof der Zukunft mit Erholungswert. Das kann sich Dr. Stefan Neubauer, Leiter des Amtes für Stadtgrün, sehr gut vorstellen.

Ein Rostocker Landschaftsarchitekturbüro plant gerade, welche Nutzungen möglich wären - wo etwa parkartige Flächen, Biotope oder aber ein Spielplatz in angemessener Entfernung zu den Gräbern entstehen könnten. Wenn das Konzept steht, will sich das Grünamt an die Bürgerschaft wenden.

Grund für die Überlegungen ist, dass klassische Beerdigungen weniger gefragt sind. Der Trend geht zu Urnengräbern, weiß Neubauer: "Wir sind bei mehr als 90 Prozent Urnenbestattungen." Dadurch sind auch mehr Flächen frei, weil Urnengräber kleiner sind und auch häufig als Gemeinschaftsgräber angelegt werden.

Der neue Trend kommt durch gesellschaftliche Veränderungen zustande. Die Familienbande seien mit den Jahrzehnten lockerer geworden, Familien leben über ganz Deutschland oder sogar Europa verteilt, sagt Neubauer: "Die Leute können sich den Pflegeaufwand nicht leisten, wollen aber trotzdem, dass die Grabstelle gepflegt ist." Doch durch Trends wie Urnengräber oder auch Streuwiesen auf dem Neuen Friedhof, für die es sogar Anfragen aus Bayern gibt, steigt auch die Anonymität. Kritiker und vor allem auch Steinmetze, die ohne Grabmäler Einnahmen verlieren, sehen die Friedhofskultur und das Gedenken an die Toten in Gefahr.

"Ich sehe darin nicht den Niedergang der abendländischen Friedhofskultur, sondern wir müssen einfach auf diese Trends reagieren", sagt Neubauer. Eine solche Reaktion ist das vor drei Jahren entstandene Kolumbarium, in dem Urnen aufbewahrt werden. Und so ein Projekt ist auch der Spielplatz. Er würde erst nach Ablauf der Ruhezeiten der Gräber und damit erst in vielen Jahren angelegt werden können. Schon jetzt nutzen viele den Friedhof auch zur Erholung. Das neue Konzept soll das aufgreifen.

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