Rostock ordnet Müllmarkt neu

Strukturieren die Zuständigkeiten um: Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), Birger Bludszuweit von der Stadtentsorgung Rostock GmbH, Rüdiger Hochgräfe von der Alba Gruppe und Dr. Christian Knaape von Veolia (v. l.). Georg Scharnweber
Strukturieren die Zuständigkeiten um: Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos), Birger Bludszuweit von der Stadtentsorgung Rostock GmbH, Rüdiger Hochgräfe von der Alba Gruppe und Dr. Christian Knaape von Veolia (v. l.). Georg Scharnweber

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28. Oktober 2011, 07:41 Uhr

Rostock | Ein Millionen-Deal im Rostocker Müllgeschäft sorgt für neue Strukturen in der lokalen Abfallentsorgung. Dabei geht die Stadtentsorgung Rostock GmbH (SR) wieder komplett in kommunale Hände über. Im Gegenzug werden die Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (EVG) und Teile der SR-Tochtergesellschaft SR Service GmbH privatisiert. Damit ist die Kommune in Zukunft für Sammlung und Transport des Hausmülls zuständig, Verwertung und gewerbliche Müllabfuhr hingegen erfolgen durch Privatunternehmen. Die Verbraucher sollen von der Umstrukturierung nichts merken.

Gestern haben die sechs beteiligten Parteien den Vertrag notariell unterzeichnet. Vorbehaltlich der Zustimmung durch das Kartellamt tritt das Werk rückwirkend zum 1. Januar 2011 in Kraft. Es beinhaltet gleich mehrere Schritte in einem. Hauptpunkt ist der Rückkauf aller Anteile an der Stadtentsorgung GmbH durch die Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding GmbH (RVV). Die 100-prozentige Tochterfirma der Stadt besaß bislang lediglich 51 Prozent der SR, die übrigen 49 Prozent kauft sie nun von der Alba Gruppe zurück. Dafür sollen unbestätigten Angaben zufolge zehn Millionen Euro an Alba fließen - 1999 hatte das Unternehmen noch 30 Millionen DM für seine Anteile überwiesen.

Im Gegenzug erwirbt Alba von der SR 70 Prozent der SR Service GmbH, die für Gewerbemüll wie Container- und Industrieentsorgung oder auch die Gelbe Tonne in der Hansestadt zuständig ist. "Das war die Bedingung von Alba", sagt SR-Geschäftsführer Birger Bludszuweit. Sein Unternehmen hält die übrigen 30 Prozent an SR Service.

Alba-Bereichsleiter Rüdiger Hochgräfe sagt: "Wir sind insbesondere am gewerblichen Geschäft interessiert." Kündigungen unter den rund 45 SR Service-Mitarbeitern soll es nicht geben. "Im Gegenteil, wir gehen davon aus, dass wir uns weiterentwickeln", so Hochgräfe. In den vergangenen fünf Jahren habe sein Unternehmen in MV Fuß gefasst, mit Rostock als erstem Standort. "An dessen gewerblicher Entwicklung wollen wir partizipieren", sagt er.

Um das Geld für den Rückkauf ihrer Anteile aufzubringen, veräußert die Stadtentsorgung GmbH ihre 50-prozentige EVG-Beteiligung an die Veolia Umweltservice Nord-Ost GmbH. Das soll früheren Angaben zufolge 7,5 Millionen Euro in die Kasse spülen. "Damit ist die Finanzierung sichergestellt", sagt Bludszuweit.

Veolia verspricht sich von der EVG-Übernahme eine gestärkte Rolle in der Abfallaufbereitung, sagt Geschäftsführer Dr. Christian Knaape. Das Unternehmen kann nun eigenständig über die EVG-Restabfallbehandlungsanlage im Seehafen verfügen, in der jährlich 150 000 Tonnen Haus- und 130 000 Gewerbemüll mechanisch-biologisch behandelt werden. Das so gewonnene Biogas wird in das Erdgasnetz der Stadt eingespeist oder zur Stromerzeugung eingesetzt, der nichtbiogene Anteil als Ersatzbrennstoff im Vattenfall-Kraftwerk im Seehafen verbrannt. Auch hier soll es keine Veränderungen beim Personal geben, eventuell aber bei den Standorten der Anlagen. So könnte schon im nächsten Jahr die Sortieranlage für Leichtverpackungen vom Tannenweg nach Hinrichsdorf umziehen, sagt Knaape.

Mit der Übernahme verknüpft ist zudem der erst kürzlich von der Hansestadt neu vergebene Auftrag zur Behandlung von Siedlungsabfällen an die EVG. Dieser hat ein Volumen von 61 Millionen Euro und läuft bis zum Jahr 2025. Nötig geworden war die Neuvergabe wegen eines EU-Verfahrens gegen die ursprüngliche Auftragserteilung an die EVG.

>> MÜLLMARKT: Die Konkurrenten

Auf Rostocks Müllmarkt sind sieben große Unternehmen aktiv. Das Sammeln und den Transport von Hausmüll übernimmt die SR Stadtentsorgung GmbH (SR), die nun eine 100-prozentige Tochterfirma der kommunalen Rostocker Versorgungs- und Verkehrsholding GmbH (RVV) wird. Die SR-Tochterfirma SR Service GmbH, zuständig für Containerdienst und Gewerbemüll, teilen sich nun SR mit 30 und die Alba Gruppe mit 70 Prozent der Anteile. Die Entsorgungs- und Verwertungsgesellschaft (EVG) hingegen, die vor allem in der Abfallverwertung und -bearbeitung tätig ist, wird komplett von der Veolia Umweltservice Nord-Ost GmbH übernommen. In Aufbereitung, Recycling und Handel von Sekundärrohstoffen engagiert sich zudem Interseroh SE.

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