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Norddeutsche Neueste Nachrichten

26. September 2017 | 16:48 Uhr

Keine Videoüberwachung : Rostock löst Prügel-Problem

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Nach Vorkommnissen an KTC und Doberaner Platz reagiert die Stadt. Senator Müller gegen Videoüberwachung

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2017 | 05:00 Uhr

Prügeleien am KTC, laute Musik in den Wallanlagen und Saufgelage auf der Holzhalbinsel. Immer häufiger treffen in der Rostocker Innenstadt größere Gruppen Jugendlicher verschiedener Nationen aufeinander, die bei Konflikten auch vor gewalttätigen Auseinandersetzungen nicht zurückschrecken und mit Schlägen, Fußtritten, Gürteln oder abgebrochenen Bierflaschen aufeinander losgehen. Die Verwaltung will solchen Ausschreitungen künftig vorbeugen, hat bereits für mehr Polizeipräsenz gesorgt. Außerdem sollen Streetworker eingesetzt und alternative Angebote geschaffen werden, so Ordnungssenator Chris Müller (SPD).

„Aktuell haben wir ein neues Projekt laufen: Wir haben zwei Streetworker, die mit den Jugendlichen ins Gespräch kommen, Konflikte aufdecken und lösen sollen“, sagt Müller. Denn die Auseinandersetzungen unter den Jugendlichen seien gewalttätiger geworden als früher. „Dabei geht es unseren Erkenntnissen nach jedoch nicht um religiöse Hintergründe, sondern Probleme mit Mädchen, materielle Dinge wie Handys und andere hormonell bedingte Konflikte“, so der Senator.

Von Videoüberwachung im öffentlichen Raum wolle er jedoch absehen, sagt Müller. Die würde nur eine punktuelle Kontrolle ermöglichen, und die Probleme lediglich verschieben. Stattdessen müsse die Stadt alternative Raumangebote für die Jugendlichen schaffen. „Die Begegnungszentren in den Stadtteilen werden einfach nicht besonders gut angenommen“, weiß Müller. So sei es „cooler in der Innenstadt abzuhängen“ – unbewacht und unter Gleichaltrigen statt zwischen den Generationen. „Die Aufgabe der Kommune ist es, alternative Räume anzubieten, in denen sich die Jugendlichen aufhalten können“, sagt Müller.

Genau das habe sie bisher vernachlässigt, wirft Stefan Nadolny (Linke) vom Ortsbeirat Kröpeliner-Tor-Vorstadt der Verwaltung vor: „Es gibt einen erheblichen Mangel.“ Und der betreffe in der KTV vor allem die 14- bis 19-Jährigen. Laut Spielplatzkonzept der Stadt stehen ihnen insgesamt 5200 Quadratmeter speziell für sie konzipierte Flächen zu – vorhanden sind aber nur 1400 Quadratmeter. Verschärfend komme hinzu, dass „alles in die Innenstadt strömt, nicht nur die Jugendlichen aus der KTV“. Um wenigstens ein wenig Druck aus dem Kessel zu nehmen, will der Ortsbeirat im März den Bau einer neuen Freizeitanlage für moderne Sportarten im Viertel beantragen. Den Einsatz der Streetworker begrüßt Anette Niemeyer (Aufbruch 09), Chefin des Gremiums. Er komme allerdings viel zu spät: „Das fordern wir seit Jahren, aber in dieser Stadt muss ja erst was passieren.“

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