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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. September 2017 | 11:44 Uhr

Fehlentscheidung? : Rostock kauft Giftmüll-Deponie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Sieben Hektar große Abfallfläche wechselt den Besitzer / Stadt will salzbelastete Böden aus Erschließungsgebiet entsorgen

von
erstellt am 10.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Hat sich Rostock selbst ein Giftmüll-Problem eingebrockt und dafür auch noch Geld ausgegeben? So jedenfalls bewerten die Grünen den Ankauf der ehemaligen Warnow-Werft-Deponie vom Land. Den hat der zuständige Hauptausschuss mit knapper Mehrheit beschlossen. „Das Risiko, das mit dem Kauf dieser Altlast auf die Stadt zukommt, ist ungeheuer groß“, sagt Simone Briese-Finke, Fraktionschefin der Grünen.

Auf der rund sieben Hektar großen Deponie wurden bis 1990 über 40 Jahre hinweg Abfälle aller Art entsorgt. „Diese beinhalten das gesamte Spektrum ,gefährlicher Abfälle’ aus dem Werftbetrieb, unter anderem Fette, Öle, Kraftstoffe, Säuren, Galvanikschlämme, Lacke und Lösungsmittel“, heißt es in einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Dr. Ursula Karlowski. Diese will die Kaufentscheidung nun zurückdrehen, da ein hohes Kostenrisiko mit ihr verbunden sei. „Ich habe mich an die Kommunalaufsicht in Schwerin gewandt, sie soll nun prüfen, ob die Entscheidung im Einklang mit den Grundsätzen einer sparsamen Haushaltsführung steht“, sagt Karlowski.

Die Stadt will die alte Deponie zur Entsorgung salzbelasteter Böden nutzen, die für die weitere Erschließung des maritimen Gewerbegebiets Groß Klein weichen müssen. Dort wollte sich ursprünglich der Windkraftanlagen-Hersteller Euros ansiedeln. Er soll sein Interesse mittlerweile aber wieder zurückgezogen haben. Die Erschließung wird dennoch fortgesetzt und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Kann die Deponie nicht genutzt werden, „müssten wir uns Gedanken machen, wo der salzbehaftete Boden hin kann“, sagt Tief- und Hafenbauamtschef Heiko Tiburtius. Dann müssten die 57 000 Kubikmeter in mehr als 2000 Fahrten zu einer anderen Deponie gebracht werden. „Die Kosten in Höhe von rund 2,8 Millionen Euro müsste die Stadt selbst aufbringen“, so Tiburtius. Die Fläche nebenan zu nutzen, sei da wesentlich effizienter, zumal die Deponie nie offiziell geschlossen wurde.

Das Risiko sei vor dem Kaufentscheid bewertet worden, unter anderem durch das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg. Laut Landesregierung gibt es derzeit zwei Messstellen, an denen das Grundwasser auf eventuell austretende Schadstoffe hin untersucht wird. Zwei weitere sollen folgen. „Nach menschlichem Ermessen sehen wir keine Gefahr für Natur und Umwelt“, sagt Tiburtius.

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