Fazit : Rostock ist liebens- und lebenswert

Gehlsdorf Serge von Weber (l.) und Tim Dau vom Rostocker Yachtclub schätzen ihr Viertel vor allem wegen der prädestinierten Lage an der Warnow. Was dem Stadtteil fehlt, ist allerdings eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
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Gehlsdorf Serge von Weber (l.) und Tim Dau vom Rostocker Yachtclub schätzen ihr Viertel vor allem wegen der prädestinierten Lage an der Warnow. Was dem Stadtteil fehlt, ist allerdings eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.

Zum Abschluss der Sfadtteil-Checks stellen wir die Ergebnisse einer Leserbefragung vor

svz.de von
03. März 2016, 16:00 Uhr

18 Doppelseiten, unzählige Gespräche, spannende Begegnungen und ein Ergebnis: Die Hansestadt ist nicht nur liebens- sondern vor allem auch lebenswert. Das zumindest haben uns die Menschen erzählt, die wir für unsere Stadtteil-Checks getroffen haben. Aber auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, gaben uns durch die Beantwortung eines Fragebogens darüber Auskunft, was sie an Rostock lieben und wo es vielleicht trotzdem noch Verbesserungsbedarf gibt. Neben den Noten haben die Teilnehmer auch eigene Hinweise, Lob und Kritik vermerkt. Zum großen Finale der NNN-Serie unter dem Motto „Ich mag Rostock – wir auch“ stellen wir Ihnen heute die Ergebnisse vor.

Fazit Familie

In puncto Familienfreundlichkeit kann sich Rostock über eine gute Bewertung freuen. Rund 47 Prozent der Teilnehmer gaben der Hansestadt die Note 2. Ähnlich verhält es sich bei der Bewertung des schulischen Angebotes und der Kinderbetreuung – auch hier wurde jeweils die Note 2 vergeben. Kritik gab es an langen Wegstrecken zu den Schulen. Außerdem wurde der Ruf nach Schulschwimmhallen laut. Lob gab es für das erweiterte Grundschulangebot, dafür waren die Teilnehmer der Umfrage aber auch der Meinung, dass es in der Innenstadt sowie in neuen Wohngebieten an Kitas fehle.

Fazit Wohnen

Beim Mietangebot hat die Hansestadt noch Verbesserungspotenzial. Ganz knapp war das Ergebnis der Bewertung in unserer Umfrage: 31 Prozent der Teilnehmer vergaben die Note 3, für 30 Prozent hat Rostock beim Mietangebot eine 2 verdient. Ähnlich die Situation beim Thema Eigenheim. Auf die Frage, welche Note Rostock für seine Bedingungen für Hausbauer verdient, wurde von 30 Prozent der Befragten die Note 3 vergeben. Die Kritikpunkte sind dabei immer wieder die gleichen: zu teures Bauland, zu hohe Mieten, die für den Großteil der Bevölkerung nicht bezahlbar seien, außerdem müsste der zu hohe Bürokratismus im Bereich Wohnen verringert, dringend bezahlbarer Wohnraum geschaffen und dabei die soziale Durchmischung beibehalten werden.

Fazit Versorgung

Ob medizinisches Angebot, die Anzahl der Einkaufsmöglichkeiten oder die Arbeit der Behörden – in diesen drei Bereichen wurde Rostock ebenfalls mehrheitlich mit der Note 2 versehen. Kritik gab es – trotz der guten Bewertung – zumeist an der Arbeit der Behörden, denen mangelnde Bürgerfreundlichkeit und -nähe vorgeworfen wird. Auch die Öffnungszeiten wurden kritisiert. Eine Anregung aus unserer Befragung war, dass sich Bürger, die in Schichten arbeiten, auch Sonnabends-Öffnungszeiten bei Behörden wünschen.

Fazit Freizeit

Rund 40 Prozent der Befragten geben dem Freizeitangebot der Stadt die Note 3. Die gleiche Bewertung gibt es bei der Frage, wie sich das Angebot in den vergangenen fünf Jahren entwickelt habe. Kritikpunkte sind ein mangelndes Raumangebot für den Breitensport, fehlende Schwimmhallen und die Eintrittspreise der Einrichtungen. Ein Leser wünscht sich beispielsweise einen Sportplatz oder Trimm-dich-Pfad in jedem Stadtteil, um das Sporttreiben zu erleichtern.

Fazit Arbeit

Die wirtschaftliche Entwicklung der Hansestadt hat in den vergangenen fünf Jahren einen positiven Verlauf genommen. Für die Teilnehmer unserer Umfrage schien das aber nicht leicht zu bewerten – gleich viele (je 35 Prozent) vergaben die Noten zwei und drei. Eindeutiger fiel die Bewertung der Jobsituation aus – 39 Prozent schätzen diese als befriedigend (Note 3) ein. Viele der Befragten sind als Rentner mit ihrer Situation zufrieden. Unsere Leser, die noch im Erwerbsleben stehen, kritisieren, dass MV nach wie vor ein Billiglohnland sei, was viele Menschen zum Pendeln beziehungsweise Wegziehen zwinge. Ebenfalls erwähnt wurde die „katastrophale Werftenpolitik“ des Landes. Wichtig war den Befragten, dass die Hansestadt weitere Investoren anlockt und diesen mit Engagement und Hilfestellung entgegentritt.

Fazit Verkehr

Dass die NNN wissen, was ihre Leser aktuell beschäftigt, zeigt sich an der Umfrage-Kategorie Verkehr. In der Zeitung haben wir mehrfach über die Kritik am neuen Fahrplan der Rostocker Straßenbahn AG berichtet. Und deren Verkehrskonzept „Mobil 2016“ mit den entsprechenden Linien- und Taktänderungen ist dann auch der Haupt-Kritikpunkt der Teilnehmer unserer Umfrage. Bus und Bahn erhalten zwar die Note zwei, aber die Verkehrsanbindung für Pendler wird mit der Note drei bewertet. Kritisiert werden der Wegfall einiger Straßenbahnlinien, vor allem der 2 in der Südstadt. Außerdem wünschen sich unsere Leser eine bessere Anbindung zum Flughafen.

Fazit Senioren

Schlechte Noten bekommen Rostocks Politiker für ihre Reaktionen auf den demografischen Wandel – Note 4. Dabei wird das bereits vorhandene Angebot für die älteren Hansestädter als gut betrachtet und von den Befragten mit Note 2 eingeschätzt. Gewünscht werden mehr Fahrstühle in den Wohnblöcken sowie generell mehr altersgerechte Wohnungen. Ein Hinweis unserer Leser war auch, dass ein Stadtteil- und Begegnungszentrum in der Innenstadt fehle und manche Straßen der Östlichen Altstadt mit dem Rollator nur schwer zu überqueren seien. Lob gab es für den städtischen Seniorenbeirat.

Fazit Kultur

Auch in puncto Kultur vergeben die Befragten jeweils die Note 3 für das vorhandene Angebot und die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre. Kritisiert wird, dass die Hansestadt zu viel Geld für das Theater verbraucht und das „Hickhack“ zwischen Volkstheater und Stadt ein schlechtes Licht auf Rostock werfe. Die Befragten bedauern die Schließung des Theaters im Stadthafen und den Fakt, dass die Stadthalle heutigen Ansprüchen nicht mehr genüge. Gelobt wird aber auch die Vielfältigkeit des Angebots mit der Hochschule für Musik und Theater und freien Trägern sowie die gute Entwicklung der Rostocker Kunsthalle.

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