Wirtschaft : Rostock ist das Hafen-Zugpferd

Der Rostocker Hafen ist mit Abstand der größte in Mecklenburg-Vorpommern. Fotos: Reiner Frank
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Der Rostocker Hafen ist mit Abstand der größte in Mecklenburg-Vorpommern.

Wirtschaftsverband begeht heute 25-jähriges Bestehen. Gründer Oskar Pohl führte ihn die ersten zehn Jahre

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28. September 2015, 08:00 Uhr

Der Landesverband Hafenwirtschaft begeht heute sein 25-jähriges Bestehen. Zu einer Festveranstaltung anlässlich des Jubiläums hat die Interessenvertretung der Häfen zwischen Wismar und Wolgast, der gegenwärtig 13 Unternehmen angehören, nach Stralsund geladen. Der Vorstandsvorsitzende Sören Jurrat, Geschäftsführer des Stralsunder Hafens, wird hier erinnern, wie alles begann und Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) Ausblicke auf die weitere Entwicklung geben. Mit dabei sein werden Vertreter der Rostocker Hafenwirtschaft und mit Oskar Pohl (79) auch der erste Geschäftsführer, der von November 1990 bis November 2000 den Verband leitete.

Oskar Pohl ist ein Urgestein des Rostocker Seehafens. Er begann seine berufliche Karriere nach dem Ingenieurökonomie-Studium an der Verkehrshochschule Dresden mit der Spezialisierung Schifffahrt als Betriebsassistent am 16. Juli 1960 – also nur sechs Wochen nach der Hafen-Eröffnung. Pohl wirkte im Rostocker Hafen als Technologe, Haupttechnologe, Direktor für Produktion und war schließlich im Marketing tätig. Nach der Wende erhielt er vom damaligen Hafendirektor Dieter Noll den Auftrag, sich in den westdeutschen Häfen Hamburg und Bremerhaven umzusehen und deren Erfahrungen für die Arbeit in den neuen gesellschaftlichen Strukturen auszuloten. Dazu gehörte die Verbandsarbeit.

Die Zeit drängte, denn für die Verhandlungen des Sozialpakets wurde eine Arbeitgebervertretung benötigt, bevor später der Arbeitgeberverband diese Aufgabe übernahm. Oskar Pohl war noch bei der Erarbeitung eines Satzungsentwurfs, als sich mit der Währungsunion die Sachlage verschärfte. Sämtliche Liniendienste brachen zusammen, an den Kais machte kaum noch ein Schiff fest. Das Personal musste entsprechend drastisch reduziert werden. Die Mitarbeiterzahl sank allein im Rostocker Hafen von 8633 im Jahr 1989 auf 1036 zehn Jahre später.

Die heimischen Häfen mussten ein neues Profil erst finden, sich international bekannt machen. Zusammenarbeit war gefragt. Als der Verband dann im Herbst 1990 aus der Taufe gehoben wurde, erfolgten gemeinsame Präsentationen. So wurde auf Messen in München und Leipzig Flagge gezeigt, führten Veranstaltungen die Vertreter der Häfen nach Kopenhagen, Oslo, Malmö und Helsinki sowie nach Stuttgart, München, Wien und Prag, erinnert sich Pohl. In den zehn Jahren seiner Tätigkeit gab es insgesamt 30 solcher Veranstaltungen, für die Vorbereitung wurden 680 000 Mark eingeworben.

Pohl und seine Mitarbeiterin Doris Herzog, die bis 2009 Verbandsarbeit leistete, hatten alle Hände voll zu tun. Zusammenarbeit gab es insbesondere mit Prof. Karl-Heinz Breitzmann und seinem Ostseeinstitut, mit der IHK (Industrie- und Handelskammer) und der Landesregierung. Um die großen Häfen Rostock, Wismar, Sassnitz und Stralsund gruppierten sich inzwischen auch kleinere Häfen wie jene aus Greifswald, Wolgast, Anklam und Ueckermünde. Trotz vieler Probleme wuchs ihr Leistungsvermögen von einem Umschlagtief 1991 mit 13 Millionen Tonnen auf 32,2 Millionen im Jahr 1999.

2014 sorgten die heimischen Häfen für einen Umschlag von 38,55 Millionen Tonnen. Der Rostocker Hafen hatte als größter Umschlagplatz des Landes mit einem Zuwachs um 13 Prozent auf 24,4 Millionen Tonnen maßgeblichen Anteil daran. Er stellte mit seinen Direktoren bis zum Ausscheiden Dr. Ulrich Bauermeisters auch die Vorsitzenden des Landesverbandes, dessen Interessen sie auch im Zentralverband der deutschen Seehäfen vertreten. Seit Dezember 2013 ist das Sören Jurrat, der auch im Rostocker Hafen seine berufliche Karriere begann.

Oskar Pohl ist heute stolz, mit seiner Arbeit für die gute Entwicklung das Fundament mitgeschaffen zu haben. Den Hafen hat er auch als Rentner im Blickfeld behalten, engagiert sich so unter anderem durch seine Mitarbeit in der Deutschen Verkehrswissenschaftlich Gesellschaft.

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