Sträfling geflohen : Rostock hält den Atem an

Der gesuchte 49 Jahre alte Mann gilt als sehr gefährlich.
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Der gesuchte 49 Jahre alte Mann gilt als sehr gefährlich.

Psychisch kranker und gewalttätiger Mann entkommt bei Arztbesuch. Polizei warnt vor Alleingängen und leitet Großfahndung ein.

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09. März 2015, 22:00 Uhr

Ausnahmezustand in Rostock: Ein entflohener, psychisch kranker Sträfling hat am Montag eine Großfahndung in der Hansestadt und ihrem näheren Umkreis ausgelöst. Im Minutentakt patrouillieren den ganzen Tag über schwer bewaffnete Polizisten mit Fährtenhunden durch die Straßen. Busse, Straßenbahnen und Züge werden durchsucht, in der Luft schwebt ein Polizeihubschrauber. „Wir haben mehrere Hinweise bekommen“, sagt Polizeisprecherin Yvonne Hanske. Dabei hätten die Beamten gleich dreimal einen Doppelgänger des Gesuchten gestoppt. Der 49-Jährige selbst konnte seinen Verfolgern immer wieder entkommen.

Rückblick: Kurz vor 7 Uhr in der HNO-Klinik Doberaner Straße. Der Patient im Maßregelvollzug der Klinik für Forensische Psychiatrie in Gehlsdorf trifft mit zwei Bewachern zu einem Arzttermin ein. An Händen und Füßen trägt er Fesseln – nur Minuten später ist er auf der Flucht. „Zum genauen Hergang warten wir noch auf den schriftlichen Bericht der Klinik“, sagt Christian Moeller, Sprecher des zuständigen Sozialministeriums. Unbestätigten Angaben zufolge bedrohte der Mann seine Aufpasser mit einem scharfen Gegenstand und fesselte sie anschließend.

Die Polizei erreicht der Notruf um 7.09 Uhr. Sie warnt die Bevölkerung davor, den unberechenbaren Mann im Alleingang aufzuhalten. Er saß seit September 2014 wegen bewaffneten Raubüberfalls und schwerer Körperverletzung in der Klinik ein, befand sich in Therapie. „Es gab keinerlei Lockerungen seiner Sicherheitsstufe“, sagt Moeller. Ein Ende der Behandlung sei nicht abzusehen gewesen. „Das hängt im Maßregelvollzug immer davon ab, ob die Therapie Erfolg zeigt.“

Unterdessen läuft die Suche nach dem zwei Meter großen Flüchtling auf Hochtouren. Bei der Polizei gehen etliche Hinweise von Rostockern ein, die ihn an seiner graugrünen Jacke, blauen Jeans sowie den Narben an beiden Unterarmen und auf dem rechten Handrücken erkannt haben wollen. Einer der Tippgeber ist Taxifahrer Andreas Fisler: „Ich hatte gerade Fahrgäste und habe den Flüchtigen gesehen, wie er in der Langen Straße in Richtung Nördliche Altstadt ging. Wir hatten von der Zentrale morgens Fahndungsfotos bekommen, darauf habe ich ihn dann erkannt.“ Die alarmierten Beamten stießen aber weder hier noch am Saarplatz, in der Wismarschen Straße und einer Kleingartenanlage in Sievershagen auf den Mann. Überall war er gesichtet worden.

Bereits 2013 war einem Insassen der Psychiatrischen Klinik während eines Zahnarztbesuchs die Flucht gelungen. Die Polizei hatte ihn erst acht Stunden später, noch immer in Handschellen und nur mit einer Unterhose bekleidet, in einem Gebüsch beim Hauptbahnhof gefunden. Moeller: „Das sind Einzelfälle. Es wäre wenig sinnvoll, deswegen am ganzen System zu schrauben.“

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