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Norddeutsche Neueste Nachrichten

22. November 2017 | 05:04 Uhr

Gedenken : Rostock gedenkt Holocaust-Opfern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Festakt im Max-Samuel-Haus: Schüler erinnern mit jüdischen Lebensgeschichten an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 70 Jahren.

Zwei Jahre lang haben sie sich mit Schicksalen von Juden aus Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt – zwölf Schüler des Gymnasiums Europaschule Rövershagen. Bei der gestrigen Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus präsentierten sie Ausschnitte ihrer Arbeit im Max-Samuel-Haus. Veranstalter waren Stadt und Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur.

„Wir haben Zeitzeugen befragt, in Archiven und im Internet recherchiert“, sagt die 19-jährige Schülerin Martha Schuldt. Entstanden sind eine Broschüre, eine CD und eine Ausstellung. Letztere erzählt die Lebensgeschichten jüdischer Einwohner aus Rostock und anderen Städten in MV. Neben dieser ist derzeit die Ausstellung „Emigration deutscher Juden in Schweden“ im Max-Samuel-Haus zu sehen. „Auschwitz beginnt, wenn eine Gruppe von Menschen sich über eine andere erhebt“, sagte Bürgerschaftspräsident Dr. Wolfgang Nitzsche (Linke). Damit erinnerte er an den 27. Januar 1945, an dem Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreiten. Nitzsche rief die Gäste zu Mitmenschlichkeit, Toleranz und friedvollem Miteinander auf. Für Dr. Ulf Heinsohn, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Kurator des Max-Samuel-Hauses, steht „Auschwitz für bedingungslose Grausamkeit und unendliches Leid“. Hitler habe Tötungsverbot und Gewissen als jüdische Erfindung gesehen und habe mit seinem Mordwillen dagegen angekämpft. Doch die jüdische Antwort auf den Holocaust sei laut Heinsohn der Einsatz gegen den Völkermord und die allgemeine Erklärung der Menschenrechte gewesen.

Doch nicht nur die Rostocker Bürgerschaft hat an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 70 Jahren erinnert. Auch die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten (VVN-BdA) Rostock legte gestern am Ehrenmal im Rosengarten einen Kranz nieder. Und am Mahnmal des Gehlsdorfer Zentrums für Nervenheilkunde kamen mehr als 70 Menschen zusammen, um der kranken und behinderten Menschen zu gedenken, die zwischen 1940 und 1945 abtransportiert und getötet wurden – auch aus der Rostocker Nervenklinik. „Das Vergessen der Vernichtung ist Teil der Vernichtung“, mahnte Dr. Ekkehardt Kumbier. Er ist Arzt in der Psychiatrie und hat mit Historikerin Dr. Kathleen Haack die Geschehnisse in Rostock erforscht. Das war nicht einfach, denn „die Krankenakten dieser Zeit sind vernichtet worden“, so Kumbier. Doch Unterlagen, die nach 1989 bei der DDR-Staatssicherheit gefunden wurden, belegten: „Rostocker Patienten sind mit Bussen in die Zwischenstation Uchtspringe in der Altmark verlegt worden. Viele wurden umgebracht.“

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