Rostock fordert Gleichbehandlung

Jugend, Soziales und Gesundheit betreut  Senatorin Dr. Liane Melzer (SPD).
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Jugend, Soziales und Gesundheit betreut Senatorin Dr. Liane Melzer (SPD).

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18. Oktober 2011, 06:35 Uhr

Rostock | Rostock ist enttäuscht, um nicht zu sagen erbost. Die Landesregierung will einen Rettungsschirm für die Theater spannen. Das Mecklenburgische Staatstheater kann sich über eine Soforthilfe von einer Million Euro freuen. Und das Volkstheater? Allein die Zusicherung von Unterstützung beim Theaterneubau springt für die Bühne des Oberzentrums heraus. Wie hoch diese sein widr, darüber ist noch kein Wort gesprochen. "Das ist ein bisschen wenig", moniert Rostocks Kultursenatorin Dr. Liane Melzer (SPD). Sie fordert: Die Theater des Landes müssen gleich behandelt werden. "Wenn schon ein Rettungsschirm, dann bitte für alle Theater", sagt Melzer. Schließlich treffen die Tarifsteigerungen im kommenden Frühjahr alle Bühnen.

Melzer will Vier-Sparten-Haus auf jeden Fall erhalten

Mit den Mehrkosten durch steigende Gehälter steht das Volkstheater bislang allein da. Denn sowohl die Stadt als auch das Land haben angekündigt, dass es nicht mehr Zuschüsse als bislang werde geben können. Nun zeichnet sich sogar ab, dass die Schweriner Koalition die Landeszuschüsse für Rostock an Bedingungen knüpft. Von Neustrukturierungen und wachsenden Besucherzahlen ist die Rede. "Das Volkstheater Rostock verfügt über ein Konzept", stellt Melzer klar. Für dieses werde derzeit sogar eine Fortschreibung erarbeitet. "Aber insbesondere die steigenden Tarife verhindern die Umsetzung der geplanten Neuausrichtung", so die Kultursenatorin. Eins betont sie besonders: Mit Neustrukturierung dürfe auf keinen Fall eine Spartenschließung bedeuten. Das stünde weder in Schwerin noch in Rostock zur Disposition.

Seitdem in der vergangenen Woche von Seiten der Stadtverwaltung verkündet wurde, dass die kommunalen Zuschüsse eingefroren würden, herrscht im Volkstheater auch Sorge um Arbeitsplätze. Und das obwohl Melzer immer wieder betont, sie werde für jeden Arbeitsplatz kämpfen. Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) geht sogar einen Schritt weiter, indem er nun ein klares Votum gegen betriebsbedingte Kündigungen abgibt. Das Stadtoberhaupt gibt sich optimistisch: "Mit weiterer konsequenter Haushaltskonsolidierung werden wir die Zukunft der Bühne in einem neuen Haus in unserer Hansestadt sichern."

Nüchtern betrachtet, stellt sich die Realität düsterer dar: Stabile Zuschüsse bei absehbar steigenden finanziellen Verpflichtungen bedeuten Kürzungen. Die Landesregierung scheint Einspareffekte in einer Zusammenlegung der Orchester zu sehen.

Intendant hält Verknüpfung für unpraktikabel

Eine Holding zwischen der Norddeutschen Philharmonie und der Mecklenburgischen Staatskapelle ist in Schwerin im Gespräch. Der Standpunkt in Rostock dazu ist deutlich. "Der Sinn einer Holding zwischen der Norddeutschen Philharmonie und der Staatskapelle Schwerin erschließt sich nicht", so Melzer. Eine derartige Verknüpfung bringe aus ihrer Sicht weder künstlerische noch finanzielle Vorteile.

Auch von Seiten des Volkstheaters erntet die Idee einer Holding nur Unverständnis. "Das ist absolut unpraktikabel", sagt Intendant Peter Leonard. Er fragt: "Wenn es nur ein Orchester gebe, wo sollte dann Beethovens Neunte am Silvesterabend gespielt werden?" Für ihn ist klar, dass die Norddeutsche Philharmonie durch ihre zahlreichen Aktivitäten und die immer wieder unter Beweis gestellte Qualität ihrer Arbeit nicht in Frage gestellt werden kann. "Sie ist das beste Orchester östlich von Hamburg und nördlich von Berlin", sagt der Rostocker Intendant nicht ohne Stolz.

Falls Rostock bei der Verteilung von Soforthilfen tatsächlich übergangen werden sollte, gibt es für Leonard dafür nur einen Begriff - unfair. "Das Land hat in den vergangenen Jahren bereits viel Geld für die Sanierung und Modernisierung des Schweriner Theaters investiert", so Leonard. Das Volkstheater mit seiner maroden Hauptspielstätte kann lediglich bei der Hansestadt um Unterstützung werben. "Ich kann diese Einstellung des Landes gegenüber Rostock nicht nachvollziehen", sagt der Intendant. Schließlich sei die Hansestadt das ökonomische Zentrum und die bevölkerungsreichste Kommune des Landes. "Ich glaube nicht, dass die Rostocker zulassen, dass ihr Orchester in einen Schmelztopf geworfen wird", sagt Leonard.

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