Wildschweine : Rostock fordert Abschüsse

Wildschweine im Vorgarten? „Das Problem bekommen wir nur weg, wenn wir ganz konsequent hinterhergehen“, sagt Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth.
Wildschweine im Vorgarten? „Das Problem bekommen wir nur weg, wenn wir ganz konsequent hinterhergehen“, sagt Stadtforstamtsleiter Jörg Harmuth.

Forstamt kritisiert private Jäger für ihre Untätigkeit

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07. Januar 2016, 08:00 Uhr

Immer wieder dringen Wildschweine im Rostocker Nordosten in Wohngebiete vor, graben Gärten um, verursachen Autounfälle und geraten mit Hunden aneinander. Gegen diese Schweineplage kämpft die Hansestadt seit vier Jahren zusammen mit der Uni an, ist für den Erfolg aber auf die Hilfe der privaten Jagdpächter angewiesen. Und die stellen sich quer, so Revierförster Christoph Willert: „Das Schwarzwildproblem innerhalb Rostocks ist entstanden, weil die Jäger sich auf Kosten der Allgemeinheit nicht an ihre Aufgabe halten.“ Deren Interesse liege im Gegenteil in einem hohen Tierbestand, um möglichst viele ausgewachsene Schwarzkittel erlegen und zu Geld machen zu können. „Die Pächter haben ein monetäres Interesse“, so Willert.

Sein Chef, Forstamtsleiter Jörg Harmuth, setzt dennoch künftig auf eine bessere Zusammenarbeit. Perfekt funktioniert diese bereits mit Dr. Hinrich Zoller von der Rostocker Uni. „Nachdem wir jährlich mehr als 100 000 Euro Schaden hatten, haben wir gesagt, das geht so nicht weiter“, so Harmuth. In einem ersten Schritt wurden Schweine gefangen und mit GPS-Sendern ausgestattet, um ihre Laufwege auszukundschaften. Beispielsweise nach Markgrafenheide und Hohe Düne. Ergebnis: „Es waren immer die gleichen drei Rotten, die reingehen“, so Harmuth. Damit sei nachgewiesen, dass die älteren Bachen ihre Erfahrung an die Frischlinge weitergeben. „So ein Schwein ist hochintelligent“, sagt Harmuth.

Um ihnen beizukommen, seien die Anwohner sensibilisiert worden, keine Essensreste mehr leicht zugänglich im Freien zu lagern. Denn „das ist, als ob Sie einen Laden kennen, in dem es immer Freibier für alle gibt“, so Harmuth. Außerdem sieht der ausgearbeitete Maßnahmekatalog vor, die Rückzugsgebiete der Tiere zu beseitigen. Wichtigster Bestandteil sei aber nach wie vor die Bejagung und Ausdünnung des Bestands – was allerdings nur mithilfe der privaten Pächter möglich sei.

Innerhalb des restlichen befriedeten Stadtgebiets darf regulär nicht gejagt werden. Deshalb und wegen der störrischen Pächter haben das zuständige Stadtamt als Untere Jagdbehörde und das einbezogene Stadtforstamt dort ein Gefahrenabwehrprojekt gestartet. Dieses greift bisher nur an zwölf Punkten in und um Gehlsdorf, wo in nur zwei Monaten 32 Wildschweine ausgeschaltet wurden. „Es ist davon auszugehen, dass das nur die Spitze des Eisbergs ist“, sagt Harmuth. Verlässliche Zahlen gebe es allerdings keine, die Tiere seien ständig in Bewegung. In Zukunft soll das Gefahrenabwehrprojekt auf weitere Viertel ausgeweitet werden.

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