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Norddeutsche Neueste Nachrichten

23. November 2017 | 08:50 Uhr

Kultur-Highlight : Rostock fischt Plankton

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Die Kempowski-Tage 2014 stehen in der kommenden Woche unter dem Motto „Auto-Bio-Grafie – Retrospektiven und ihre Gestaltung“.

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 12:00 Uhr

Die eigene und fremde Biografien waren für Walter Kempowski Inspirationsquell und der Stoff für seine literarischen Projekte. So hat er die Geschichte seiner Familie in den Romanen der Deutschen Chronik verarbeitet. Sein Mammut-Projekt „Echolot“ und nicht zuletzt das im Frühjahr erschienene „Plankton“ lebt von Erzählungen und Dokumenten, die in ihrer Gesamtheit eine Biografie der Gesellschaft darstellen könnten. Lebensläufe in jedem Fall, waren ein bestimmendes Thema für den in Rostock geborenen Schriftsteller.

So stehen auch die diesjährigen Kempowski-Tage unter dem Motto „Auto-Bio-Grafie“. Sie beginnen am Montag und laden eine Woche lang zu Lesungen, Vorträgen und Gesprächen ein. „Wir bewegen uns immer entlang der Themen, die für Kempowski und seine Arbeit wichtig waren“, sagt Katrin Möller-Funck, Leiterin des Rostocker Kempowski-Archives. Bei der Organisation der diesjährigen Veranstaltungswoche hat sie darum den Fokus auf autobiografisches Schreiben und Autoren gelegt, die Erinnerungen zu literarischen Werken vornehmen. „Das Genre Biografie ist populär wie nie“, sagt Möller-Funck. Und auch Familiengeschichten seien auf dem Buchmarkt reichlich repräsentiert.

Die Kempowski-Tage werden am Montag in der Aula der Universität eröffnet. Und für diesen Abend haben sich die Organisatoren etwas Besonderes einfallen lassen: Sie wollen ganz im Sinne Kempowskis „Plankton fischen“. Darunter verstand der Autor das Sammeln von ganz persönlichen Erinnerungssplittern. Er konfrontierte seine Gesprächspartner mit Fragen, die mal sehr private Bereiche betrafen, mal politische Ereignisse. Die sehr individuellen Antworten, das Plankton, fügte er zusammen. Seinem Verständnis nach entstand daraus ein schillerndes Kaleidoskop, ein kollektives Gedächtnis.

Der Abend beginnt um 19 Uhr. Simone Neteler, Herausgeberin von „Plankton“, und Literaturkritiker Volker Hage werden mit Wiebke Juhl-Nielsen von der Evangelischen Akademie der Nordkirche und Katrin Möller-Funck über Kempowskis Sammeln und Bewahren von Erinnerungen ins Gespräch kommen. Danach geht es ans Plankton-Fischen. Alle Besucher der Veranstaltung sind eingeladen, sich daran zu beteiligen und ihre Erinnerungen in den Kempowski’schen Plankton-See einfließen zu lassen.

Am Dienstag geht es im Programm weiter mit der ersten Lesung der diesjährigen Literatour Nord. Sabrina Janesch liest aus ihrem Roman „Tango für einen Hund“, in dem sie ein zynisch-liebevolles Bild ihrer Heimat, der Lüneburger Heide, zeichnet. Vornehmlich an ein Fachpublikum, aber natürlich auch an jeden interessierten Besucher richtet sich die Veranstaltung am Mittwoch. Der französische Literaturwissenschaftler und Verfasser des Standardwerkes „Der autobiografische Pakt“, Philippe Lejeune, ist zu Gast. Im Gespräch mit Andreas Plath stellt er sein neues Werk „Liebes Tagebuch. Zur Theorie und Praxis des Journals“ vor. Als weibliche Stimme meldet sich am Freitag Tanja Dückers unter dem Titel „Autobiografie! – vielleicht aber auch nicht?“ zu Wort. Um Erinnerungsbücher geht es am Sonnabend bei der Lesung von Dietrich von Maltzahn. Am Sonntag sind Interessenten im Festsaal des Rathauses willkommen, wenn Edgar Feuchtwanger, der Neffe von Lion Feuchtwanger, aus seinem Buch „Als Hitler unser Nachbar war“ liest. Zum Abschluss der Kempowski-Tage wird dann Maxim Biller mit Klaus-Dieter Kaiser ein Gespräch unter dem Titel „Der gebrauchte Jude – eine Art Autobiografie“ führen. Der Autor beschäftigt sich seit Jahren mit dem Autobiografischen in der zeitgenössischen Literatur und spricht sogar von einer eigenen Epoche, die er Ichzeit nennt.

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