Trauerfeier : Rostock erweist Yaakov Zur die letzte Ehre

Im Gedenken an Yaakov Zur tragen Sylvia Tazberik und Michael Kornmacher „Kol Haolam Kulo – das Lied von der Brücke“ – vor.
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Im Gedenken an Yaakov Zur tragen Sylvia Tazberik und Michael Kornmacher „Kol Haolam Kulo – das Lied von der Brücke“ – vor.

Hansestadt verabschiedet ihren Ehrenbürger

svz.de von
12. Dezember 2013, 06:00 Uhr

Im Festsaal des Rathauses ist gestern des im Oktober verstorbenen Yaakov Zur gedacht worden. Der gebürtige Rostocker war im Alter von 89 Jahren im israelischen Kibbuz Ein Hanatziv gestorben. Bei der Gedenkveranstaltung, die von der Stiftung Begegnungsstätte für jüdische Geschichte und Kultur in Rostock – Max-Samuel-Haus, der Universität Rostock und Vertretern der Hansestadt organisiert wurde, erinnerten Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und einige Weggefährten mit emotionalen Worten an den Historiker.

Zu Beginn der Veranstaltung sprach der Landesrabbiner William Wolff die Gebete „Kaddisch“ und „El Maley Rachamim“. „Damit bitten wir, dass die Seele des Verstorbenen in das Bündnis des ewigen Lebens aufgenommen wird“, erklärte William Wolff diese jüdische Tradition.

Durch Auszüge aus dem Film „Ich kann Dich nicht mehr Heimat nennen“ konnten die Gäste aus Politik, Kultur und Wissenschaft einen Einblick in das Schicksal und die Gedanken von Yaakov Zur gewinnen. Er wurde 1924 als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Rostock geboren. Während des Zweiten Weltkriegs war ihm gemeinsam mit seinen beiden Brüdern die Flucht nach Palästina gelungen. Seine Mutter und Schwester wurden 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. In Interview-Sequenzen erzählte der Historiker von dem Gefühl der Freiheit bei seiner Ankunft in Palästina und seiner Hoffnung, „dass niemals wieder eine Zeit kommen wird, in der jüdischen Kindern ihre Kindheit genommen wird“.

Seine Geburtsstadt besuchte der Historiker erst wieder 1987 – 48 Jahre nach seiner Ausreise. Seitdem stattete er Rostock regelmäßige Besuche ab. So sei er beispielsweise bei vielen Gedenkfeiern zur Reichskristallnacht dabei gewesen, berichtete Roland Methling. „Das spricht für die unglaubliche Größe dieses Ehrenbürgers“, so der Oberbürgermeister. Die Ernennung zum Rostocker Ehrenbürger 1993 sei für Yaakov Zur sicher eine symbolische Annäherung an die Hansestadt gewesen, die er seit der Zeit der Judenverfolgung nie mehr Heimat nennen konnte.

Roland Methling hatte Yaakov Zur im vergangenen Jahr persönlich in seinem Kibbuz in Israel besucht und beschrieb ihn als einen gütigen und besonders warmherzigen Menschen, der bis ins hohe Alter lebensbejahend und aktiv gewesen war.

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