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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 00:28 Uhr

Am Strande : Rostock droht Umweltzone

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Brauchen die Rostocker bald die grüne Plakette am Auto?

von
erstellt am 22.Jan.2015 | 07:00 Uhr

Im vergangenen Jahr hat Rostock an der Messstation Am Strande erneut gegen den Stickstoffdioxid-Grenzwert der EU verstoßen. Nun prüft die Stadtverwaltung die Einführung einer Umweltzone. „Für eine effektive Senkung der Luftschadstoffbelastung entlang der L22 stehen nach Ansicht der Fachämter keine anderen Maßnahmen zur Verfügung, die kurzfristig realisierbar wären“, sagt Dagmar Koziolek vom Amt für Umweltschutz.

In welchen Bereichen und ab wann die Umweltplakette zur Pflicht werden könnte, ist noch nicht klar. Eine Studie hat bereits mehrere Varianten untersucht, die nun mit den betroffenen Ortsbeiräten diskutiert werden sollen. Es gelte, so Koziolek: „Nach Auswertung der Stickstoffdioxid-Werte für 2014 wird die Stadtverwaltung entscheiden, ob das Prüfverfahren fortgesetzt wird.“ Das scheint wahrscheinlich, denn statt der erlaubten 40 waren im vergangenen Jahr 41 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter als Mittelwert gemessen worden. In den Vorjahren lag der Wert noch deutlich höher, bis 2009 bei mehr als 50 Mikrogramm, 2013 waren es 42 Mikrogramm. 2006 – als der Verstoß erstmals festgestellt worden war – war Am Strande auch die zulässige Feinstaubmenge überschritten worden. Dank eines Luftreinhalteplans, den Stadt und Land anschließend gemeinsam ausgearbeitet hatten, konnte zumindest dieses Problem schnell bewältigt werden.

Doch der anhaltende Verstoß gegen den Stickstoffdioxid-Grenzwert hatte 2011 Folgen: Die EU setzte Rostock eine Frist, um das Luftproblem zu lösen. Anfang 2013 wurde diese Frist noch einmal bis zum 31. Dezember 2014 verlängert. Zugleich räumte die EU innerhalb dieses Zeitraums eine zusätzliche Toleranzmarge von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter ein, um die die 40 Mikrogramm überschritten werden durften. „Somit wurden im Verlängerungszeitraum die Grenzwerte zuzüglich der maximalen Toleranzmarge sicher eingehalten“, sagt Thomas Draheim vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (Lung).

Doch mit der Toleranz ist es nun vorbei. Andere Lösungen müssen her, um ein drohendes EU-Bußgeldverfahren in Millionenhöhe zu vermeiden. „Bei Verstößen gegen die Richtlinie der Europäischen Gemeinschaft sind Sanktionen zu verhängen, die wirksam, verhältnismäßig und abschreckend sein sollten“, sagt Draheim. Einen Präzedenzfall gebe es bislang noch nicht in Deutschland. Und der Luftexperte ist zuversichtlich, den Grenzwert in Rostock künftig einzuhalten, „gegebenenfalls auch durch Anwendung weiterer Maßnahmen“. In der Vergangenheit war bereits das Tempo von 60 auf 50 reduziert und die Grünphase optimiert worden. „Diese Maßnahme brachte die deutlichste Reduktion“, sagt Draheim. Insgesamt seien zehn von zwölf Verbesserungsvorschlägen umgesetzt worden, darunter auch der Aufbau eines dynamischen Verkehrsmanagementsystems und die Einrichtung von sechs Stromtankstellen.

Unmittelbare Gefahren für die Gesundheit der Rostocker bestünden Koziolek zufolge nicht. „In einer dauerhaft belasteten Umwelt können aber – insbesondere durch Einatmen von Feinstaub – Asthma, Atemwegs- und Kreislauferkrankungen auftreten“, sagt sie.
 

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