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Ausstellung auf Traditionsschiff : Rostock begibt sich auf die Spuren der „Büchner“

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Exponate vom versunkenen Giganten auf dem Traditionsschiff zu sehen /Rätsel um mysteriösen Untergang ist noch ungelöst

„Für uns ist das immer noch völlig unverständlich“, sagt Hafenkapitän Gisbert Ruhnke. Der Untergang der „Georg Büchner“ am 30. Mai 2013 vor der polnischen Ostseeküste sei ihm und seinen Kollegen ein Rätsel. Kaum ein anderes Schiff hat die Rostocker so bewegt, den Verein Maritimes Erbe sogar motiviert, sich des Rumpfs des Seebäderschiffs „Undine“ anzunehmen und zu bewahren.

Das Team des Traditionsschiffs nimmt diesen Gedanken auf, lässt die „Büchner“ in einer Ausstellung wieder auftauchen. Die rund 50 Exponate dafür stammen vom Schiff selbst. „Einige Leute hatten die schwierige Lage erkannt und haben Gegenstände gesichert“, sagt die neue Museumschefin Kathrin Möller. Einige Leihgeber wollen anonym bleiben. Zu sehen sein werden Reedereibroschüren, ein Rettungsring und Geschirrteile mit dem Aufdruck Compagnie Maritime Belge aus der Zeit, als das Schiff unter belgischer Flagge als „Charlesville“ im Kongo fuhr sowie Hochzeitsfotos aus der Zeit als Hotel- und Herbergeschiff. Auch Ruhnke hatte noch Lieblingsstücke vom früheren Fracht- und Lehrschiff der Deutschen Seerederei mitgenommen – einen großen Magnetkompass, der auf der Brücke stand, einen Telegrafen aus Messing, drei Gemälde. Das sei vertraglich mit dem neuen Eigner geregelt gewesen.

Kathrin Möller hofft, dass die Ausstellung noch wächst, auch von den 14 000 Lehrlingen, die die Ex-„Charlesville“ kennengelernt haben, Geschichten kommen, die Geschichte schreiben. Aber auch die Gegenwart, die Frage, was damals wirklich passiert ist, bewegt sie. „Ich bin überzeugt, dass wir irgendwie was kriegen werden“, sagt sie.

Weder mit Polizei, Anwälten noch dem Eigner habe es Kontakt gegeben, sagt der Hafenkapitän. Vor der Seeunfalluntersuchungskammer im polnischen Gdingen laufen seit mehr als einem Jahr Verhandlungen um den mysteriösen Untergang nach dem Zickzack-Manöver des Schleppers „Ajaks“. Der Förderverein hatte das Schiff als Jugendherberge betrieben, wurde insolvent, Rettungsversuche scheiterten. Die „Büchner“ soll für 740 000 Euro an die Argent Venture Limited von den Seychellen verkauft worden sein. Die Verträge, das Schiff selbst – „es war alles ordnungsgemäß“, sagt Ruhnke. Sie hätten nicht gewusst, dass es verschrottet werden soll. 90 000 Euro bekam die Stadt, gebunden für maritimes Erbe. Zuletzt sei über die „Likedeeler“ als Empfänger gesprochen worden. 2017 folge eine Entscheidung, sagt Ruhnke.

Die Ausstellung „Georg Büchner – Ein Schiff taucht wieder auf“ eröffnet am 22. Oktober um 11 Uhr auf dem Traditionsschiff im IGA-Park.

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