zur Navigation springen
Norddeutsche Neueste Nachrichten

21. Oktober 2017 | 01:37 Uhr

Immobilienpreise : Rostock auf Spitzenplatz

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Bei den Immobilienpreisen im Osten der Republik folgt die Hansestadt direkt auf Berlin und Potsdam

svz.de von
erstellt am 20.Jan.2017 | 08:00 Uhr

„Betongold“, also die Investition in Eigentumswohnungen oder Häuser, ist nachhaltig und begehrt. Aber gerade in Rostock muss dafür immer tiefer in die Tasche gegriffen werden. „Wo vor Jahren für ein Haus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche in Kassebohm noch 250 000 Euro bezahlt werden mussten, sind es derzeit 330 000 Euro“, sagt Bianka Grubba, Immobilienfinanzierungs-Expertin der Rostocker Hypovereinsbank, die gerade ihre aktuelle Übersicht des Wohnimmobilienmarktes für Rostock herausgegeben hat. Die besagt auch, dass nach der Wende bisher nur in zwei Jahren mehr Eigentumswohnungen in der Hansestadt verkauft wurden als 2015, als es 785 waren – und zwar im Jahr 1997 (798) und 1998, als der Spitzenwert von 886 verkauften Eigentumswohnungen erreicht wurde.

Der Niedrigzins und die dadurch immer weiter steigende Nachfrage, vor allem nach zentralen und wassernahen Lagen, lassen nicht nur die Preise steigen, sondern führten auch dazu, dass der Neubaumarkt trotz zahlreicher Großprojekte wie leergefegt sei. Baugrundstücke und Häuser seien besonders zur Eigennutzung stark gefragt, aber Mangelware.

Rostock ist ein begehrter Wohnstandort. „Im ostdeutschen Vergleich liegt es beim Preisniveau hinter Berlin und Potsdam, aber vor Leipzig und Dresden“, sagt Thomas Neumann, Filialleiter der Rostocker Hypovereinsbank. Deren Marktanteil bei der Eigentumsfinanzierung sei zwar noch einstellig, aber stetig wachsend. Viele Hausbesitzer würden sich auch gerade jetzt zum Verkauf ihrer Immobilien entscheiden, weil sie die Chance sehen, einen noch höheren Gewinn zu erzielen, weiß Bianka Grubba. „Der Markt spricht stark für Preisübertreibungen.“

Der geringfügige Leerstand von rund einem Prozent hätte auch den Mietwohnungsmarkt zugunsten der Vermieter verschoben. Laut aktuellem Mietspiegel der Hansestadt ist die Durchschnittsmiete in Rostock in den vergangenen zwei Jahren aber nur um 20 Cent auf 5,89 Euro angestiegen. „Dieser Wert ergibt sich durch den hohen Bestand an industriellen Bauten in Rostock, die dämpfen den Anstieg. Besonders bei den Altbauten explodieren die Mieten dagegen seit Jahren“, weiß Kai-Uwe Glause, Geschäftsführer des Mietervereines Rostock.

Die von der Hansestadt beantragte Mietpreisbremse, über die kommende Woche der Landtag beraten wird, könne nur helfen, wenn zeitgleich der Bund nachbessert. „Ganz entscheidend ist die Pflicht des Vermieters zur Offenlegung der Vormiete bei Vertragsabschluss“, sagt Glause. Nur, wenn die Mieter diese Zahlen kennen, könnten sie nachrechnen und gegebenenfalls klagen, wenn der Anstieg mehr als zehn Prozent zur ortsüblichen Vergleichsmiete beträgt.

Kommentar: Fakt trifft Gefühl

Bei kaum einem anderen Thema liegen in Rostock die Fakten und die gefühlte Realität weiter auseinander als beim Wohnen. Wenn der Mietspiegel von einem Durschnitts-Quadratmeterpreis von 5,89 Euro spricht, dann verdrehen die Bewohner von Stadtmitte, KTV, Östlicher Altstadt und anderer begehrter Wohnlagen nur die Augen. Und was sollen erst die Warnemünder oder Gehlsdorfer sagen?

Den Immobilienmarkt in der Hansestadt nur als angespannt zu bezeichnen, ist eine absolute Untertreibung. Und so sehr man sich als Arbeitnehmer und Rostocker über Ansiedlungen in der Stadt freut, so bringen diese doch jede Menge Konkurrenz für den Wohnungsmarkt mit sich. Und dass die Experten von Ämtern und Banken sagen, dass es sich beim Immobilienmarkt in Rostock nicht um eine Blase handelt, wird von denen, die jährlich mehr für den Traum vom Haus bezahlen müssen, sicher auch anders gesehen.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen