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Beauftragte schreibt Konzept fort : Rostock arbeitet an der Integration

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Anteil ausländischer Bevölkerung bei 5,7 Prozent. Bürger sind tendenziell aufgeschlossen

11 769 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft leben in Rostock – Zugewanderte, die hier arbeiten, ausländische Studenten und größtenteils Asylsuchende oder bereits -berechtigte.

Die große Aufgabe bleibt Integration, aber sie zu koordinieren, ist komplizierter als die vergangenen Jahre, sagt Stephanie Nelles, Integrationsbeauftragte der Stadt. In Rostock gibt es noch keine eingespielten, keine klaren Strukturen. Zu viel hat sich mit der Welle der Durchwanderung und dem Anstieg der Flüchtlingszahlen verändert, als dass es sich fassen ließe: Das Amt für Flüchtlingsangelegenheiten und Asyl wurde gegründet, umbesetzt und geschlossen. Zudem änderten sich die ehrenamtlichen Strukturen. „Vor ein paar Jahren wusste ich noch genau, wer wofür Ansprechpartner ist“, sagt Nelles. Jetzt gründeten sich Vereine wie „Rostock hilft“ neu, übernahmen Aufgaben mit, andere starteten Projekte. „Viele haben Anträge gestellt an unterschiedlichsten Stellen“, sagt Nelles.

Kürzlich hat sie das Plenum des Kommunalen Netzwerkes Integration und Migration veranstaltet, zusammen mit dem Sprecherrat. Rund 100 Personen tauschten sich aus – alle, die in der Integrationsarbeit tätig sind? Lange nicht, sagt Nelles. Die Dunkelziffer sei kaum schätzbar. Die große Aufgabe auch beim Plenum: haupt- und ehrenamtliche Akteure und Beratungsangebote aufzeigen und damit die Frage klären, wer was in der Stadt überhaupt macht, wo es Ansatzpunkte gibt, etwas auszubauen oder doppelte Arbeit zu vermeiden. „Die Struktur muss klarer sein“, sagt Nelles.

Das wird vor allem für das Integrationskonzept wichtig. Die erste Auflage ist von 2014 und soll nun – nach drei Jahren – fortgeschrieben werden. Schon zwischenzeitig verlangte die Politik nach einem neuen Konzept – vor allem, um die Ausstattung von Gemeinschaftsunterkünften zu regulieren. Nelles fertigte einen 60-seitigen Anhang zum Konzept von 2014 – mit dem Fokus auf Betreuung und Unterbringung. Aber als er seine Ämterrunde gemacht hatte, war er bereits überholt. Die Strukturen in der Integrationsarbeit änderten sich so schnell, dass sie schriftlich mit der geforderten Beteiligung kaum fassbar waren. Der Anhang soll nun als Basis der Fortschreibung dienen. Dafür ist Nelles optimistisch, dass es sich nicht sofort überholt. „Die Strukturen haben sich schon ein bisschen mehr verfestigt als Ende letzten Jahres.“ Positiv sei auch die Einstellung der Rostocker zu neuen Mitbürgern, das zeige eine brandneue Studie aus einem Projekt mit der Bertelsmannstiftung. „Dass Rostocker nicht aufgeschlossen sind, was Vielfalt anbelangt, stimmt einfach nicht.“

 

Kommentar “Nicht nur ein Häkchen“ von Nicole Pätzold

Integration ist keine eindimensionale Aufgabe, nichts, das man einfach als erledigt abhakt. Die Menschen, die es zu integrieren gilt, haben völlig unterschiedliche Hintergründe, sind neue Wahl-Rostocker, Flüchtlinge, ausländische Studenten. Zudem haben die letzten Monate gezeigt, dass bei dem Thema der Wandel beständig ist. Damit ist Integration eine Daueraufgabe – nicht nur in der Praxis, bei denen, die sie leisten, sondern auch in der Organisation und der Vernetzung der Strukturen. Das muss in der Verwaltung klar sein, sonst blockiert sie.

 

Nationalitäten, die in Rostock am stärksten vertreten sind
Nationalitäten, die in Rostock am stärksten vertreten sind
 

Daten, Fakten und Grundlagen

Zahlen: Der Anteil der ausländischen Bevölkerung hat sich seit Ende 2013 bis heute von 4,9 auf 5,7 Prozent erhöht, von 7909 auf 11 769 Menschen (Stand Ende März). 6882 ausländische Staatsbürger sind männlich, 4887 weiblich. 22,7 Prozent sind 45 Jahre und älter, 44,5 Prozent sind zwischen 25 und 45 Jahre alt, 18,9 Prozent sind zwischen 15 und 25 Jahre alt und 13,9 Prozent sind jünger als 15. Seit Juni 2015 kamen 5032 Migranten nach Deutschland.

Ämterstruktur: Als das Amt für Flüchtlingsangelegenheiten und Asyl nach einem Jahr zum Ende 2016 geschlossen wurde, ging es im Amt für Jugend und Soziales auf. Das Sachgebiet Asyl mit acht Sozialbetreuern leitet Ines Brennbach. Das Sachgebiet Leistung, Asyl leitet Torben Panknin. Es hat insgesamt 13 Mitarbeiter.

Das Integrationskonzept ist der Handlungsrahmen für die Förderung der Stadt. Handlungsfelder sind bisher Willkommenskultur, Interkulturelle Öffnung, Bildung, Sprachförderung, Qualifizierung, Arbeit, Gesundheit, Soziales, Politik, Gesellschaft, Interreligiöser Dialog, Integration im Stadtteil.

 

Ausländische Bevölkerung in Rostock
 

Ausländische Bevölkerung nach Stadtbereichen
Ausländische Bevölkerung nach Stadtbereichen


Warnemünde 207
Rostock-Heide 29
Lichtenhagen 1088
Groß Klein 1048
Lütten Klein 1245
Evershagen 1551
Schmarl 609
Reutershagen 406
Hansaviertel 169
Gartenstadt/Stadtweide 392
Kröpeliner-Tor-Vorstadt 716
Südstadt/Biestow 938
Stadtmitte 982
Brinckmansdorf 96
Dierkow 927
Toitenwinkel 1113
Gehlsdorf und Rostock Ost 253

 

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erstellt am 20.Jun.2017 | 05:00 Uhr

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