Theater Rostock : Rosinski stellt Neubau infrage

Viele Stücke seien zu ressourcenintensiv: Der kaufmännische Leiter des Volkstheaters, Stefan Rosinski, kritisiert das aktuelle künstlerische Angebot. Er will nach Halle wechseln.
Viele Stücke seien zu ressourcenintensiv: Der kaufmännische Leiter des Volkstheaters, Stefan Rosinski, kritisiert das aktuelle künstlerische Angebot. Er will nach Halle wechseln.

Kaufmännischer Theaterleiter sieht Zukunft des Volkstheaters als massiv gefährdet an. Rostock hätte in deutscher Kulturlandschaft einen schlechten Ruf.

svz.de von
30. November 2015, 08:00 Uhr

Viele Einwohner Rostocks wollen schon gar nichts mehr von den jahrelangen Dauerquerelen um das Volkstheater hören. Doch ruhiges Fahrwasser scheint derzeit nicht in Sicht zu sein.

Der vermutlich zum Spielzeitende ausscheidende kaufmännische Geschäftsführer des Rostocker Volkstheaters, Stefan Rosinski, sieht die Zukunft des Hauses als massiv gefährdet an. Noch immer gebe es kein funktionierendes Konzept für die Anzahl der selbstständig tätigen Sparten. Ein Grund für den Stillstand sei die Sprachlosigkeit zwischen Rathaus- und Theaterspitze, sagt Rosinski. Davon sei auch die Planung des Theaterneubaus direkt betroffen. Der geplante Termin 2018 sei nicht mehr zu halten. „Ich sehe nicht, dass die Stadt die Mittel und die Logistik hat, dieses Projekt überhaupt zu stemmen.“

Dabei gebe es einen massiven Zeitdruck, um die Probleme zu lösen. Die Landesregierung habe klar gesagt, sie wolle bis Ende des Jahres eine Entscheidung zur Struktur haben. Wenn das nicht vorliege, würde der Landeszuschuss um 500 000 Euro gekürzt. Ein Sprecher von Kultusminister Mathias Brodkorb (SPD) bestätigt das. „Wenn es so weit kommt, passiert hier gar nichts mehr, dann wird hier nur noch abgewickelt“, so Rosinski.„Diesen Pessimismus zum Theaterneubau teile ich nicht“, sagt Theater-Aufsichtsratschefin Eva-Maria Kröger. Denn die Bürgerschaft wolle den Neubau. „Aber die Situation ist gefährlich und chaotisch. Durch den Weggang Rosinskis verlieren wir viel Kompetenz.“ Das größte Problem sei die Sprachlosigkeit. „Das Briefe-Hin-und-Her-Geschicke muss ein Ende haben, die müssen an einen Tisch“, sagt sie und richtet ihre Forderung an Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos) und den Intendanten Sewan Latchinian. Für Methling liegt der Ball eindeutig bei der Theaterleitung. Das zunächst den Medien und dann erst ihm vorgelegte Konzept entspreche nicht der mit dem Land abgeschlossenen Zielvereinbarung. „Die müssen ihre Hausaufgaben machen“, betont er. Er verweist zudem auf die Zusage des Landes, den Neubau mit 25 Millionen Euro zu unterstützen.

Nach der völlig chaotisch verlaufenden letzten Spielzeit mit Kündigung des damals neuen Intendanten Latchinian und dessen Wiedereinstellung, nach permanentem und öffentlich ausgetragenem Streit zwischen Theater, Stadt und Land stellt sich auch die aktuelle Lage des Theaters nicht positiv dar. „Wir haben weniger Zuschauer als erhofft“, so Rosinski. Dank der Erfolgswelle des Orchesters könne ein Gutteil des Defizits aber ausgeglichen werden.

Zur Ursache gebe es keine Erkenntnisse. Möglicherweise haben die Auftaktveranstaltungen zur Saison, die Stapelläufe, mit jeweils drei Aufführungen bei vielen Besuchern eine Art Sättigung über mehrere Wochen hinweg ausgelöst. „Wir müssen kritisch überprüfen, ob unser Angebot die richtigen Zielgruppen erreicht“, erklärt Rosinski. In der vergangenen Spielzeit wurden rund 88 600 Karten verkauft. In den zwei Jahren zuvor unter dem vorherigen Intendanten Peter Leonard waren es 101 900 (2012/13) beziehungsweise 91 700 (2013/14). Das Problem sei, dass die Art des aktuellen Angebots sehr ressourcenintensiv ist. „Das Konzept, mit vielen kleineren Aufführungen neue Besuchergruppen zu erschließen, hat sich noch nicht durchgesetzt“, sagt Rosinski. „Wir müssen uns wieder mehr auf große Veranstaltungen konzentrieren.“

Gerade an der Frage des Neubaus zeige sich Notwendigkeit für eine Einigkeit unter allen Handelnden. „Wir wissen nicht, für welche Sparten das Haus gedacht sein soll.“ Zu wenig Menschen in der Stadt verstünden, dass ein Theater ein Signal nach außen ist für die Identitätsbildung in der Stadt. Inzwischen gehe es nur noch um eine massive Verkleinerung des Volkstheaters, die Frage nach dem Kulturstandort Rostock stelle sich nicht mehr. „Rostock hat inzwischen, unter anderem wegen der sich endlos hinziehenden Strukturdebatte, einen schlechten Ruf in der deutschen Kulturlandschaft“, sagt Stefan Rosinski.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen