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Denkmal für die Toten des Massakers in Norwegen : Rose für die Utøya-Opfer

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Der Penzliner Schmied und seine beiden Auszubildenden Stefan Weber und Jonas Gehrs haben ihre "Rose für Oslo" geschaffen. Damit tragen sie ihren Teil zu einem Denkmal bei, das an die Opfer von Utøya erinnern wird.

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erstellt am 23.Dez.2011 | 09:41 Uhr

Penzlin | Denkmäler wolle er eigentlich nicht schaffen, sagt der Mann im blauen Arbeitsanzug, doch das sei Ehrensache. "Da gab es diesen Aufruf in der Verbandszeitung und da haben wir mitgemacht." Große Reden sind nicht Böttchers Ding. Der Penzliner Schmied und seine beiden Auszubildenden Stefan Weber und Jonas Gehrs haben ihre "Rose für Oslo" geschaffen. Damit tragen die drei Metallbauer ihren Teil zu einem Denkmal bei, das an die Opfer von Utøya erinnern wird. Am 22. Juli 2011 hatte Anders Breivik im Osloer Regierungsviertel eine Bombe gezündet und danach 69 Menschen in dem Insel-Camps erschossen, insgesamt starben an diesem Tag 77 Menschen.

Verständigung mit Hammer und Amboss

Die Idee hinter dem Denkmal: Eiserne Rosen, die Schmiede auf der ganzen Welt fertigen, sollen eine Skulptur verzieren: Eine Weltkugel, die auf einer vier Meter hohen Säule in den Himmel ragt. Die Rosen, das Symbol für Hoffnung und Liebe, hielten viele Norweger in den Tagen nach dem Attentat in ihren Händen. Ins Leben gerufen haben dieses Gemeinschaftsprojekt die Norweger Tobbe Malm und Tone Mörk, die gerade auf dem Weg zu einem Schmiedetreffen waren, als Anders Breivik das Massaker anrichtete. Die Kollegen dort nahmen Anteil, so kam den beiden Skandinaviern die Idee, ein gemeinsames Denkmal zu erschaffen. "MV kann sich auch beteiligen, zumal da ein Mecklenburger sogar einige Menschen gerettet hat", sagt Uwe Böttcher.

Er kennt Projekte, bei denen Schmiede gemeinsam ein Kunstwerk schaffen, selbst mitgemacht hat er noch nie. Auf einer Biennale sei so zum Beispiel die "Brücke der Freundschaft" entstanden. "Wenn es ums Schmieden geht, verstehen sich alle. Auch ohne Sprache", erläutert der 60-Jährige den Zusammenhalt und scherzt noch einen Satz dazu: "Beim Schmieden wird eh nicht viel geredet". Völkerverständigung mit Hammer und Amboss.

Und im Zeichen des Social Web. Denn der Aufruf zum Mitmachen stand nicht nur in den zwei Fachblättern, die auf dem kleinem Pausentischchen in Böttchers Werkstatt liegen. Auf Facebook richteten die Initiatoren die Seite "Iron rose for Norway" ein, schnell verbreitete sich die Information im Netz. Dort können die Bilder einiger Rosen aus aller Welt jetzt schon bewundert werden. Zum Beispiel die von Eric Griffiths aus Argentinien, von Zdzich Schmeichel aus Danzig, von Greig Fors aus Las Vegas. Die Einträge zeugen von der Weltläufigkeit des neuen Denkmals und davon, wie betroffen die Kollegen in aller Welt über das Attentat sind. So wie Uwe Böttcher. "Von Norwegern hatte ich soetwas nicht erwartet", bekennt der Schmied.

Sorge um den Zeh des Postboten

Noch ein paar Stunden wird die Metallblume in Penzlin verbringen, inmitten von Vögeln, Schmetterlingen und Wildschweinen, den geschmiedeten Tieren in Uwe Böttchers Werkstatt. Dann gehen sie auf die Reise nach Bærums Verk in Norwegen, der passende Karton steht schon bereit. Doch Sorgen, ob die Rose beim Transport kaputtgehen könnte, machen sich die drei Metallmänner nicht. "Da muss eher der Postbote aufpassen, dass er sich die nicht auf den Fuß haut", sagt Azubi Stefan. Zwei, drei Kilo wird die Rose schon wiegen, schätzt er.

Ein Jahr nach der Tragödie, am 22. Juli 2012, könnte das Denkmal dann enthüllt werden. Zur Eröffnung fährt der Penzliner Meister aber nicht. "Irgendwann kreuze ich da mal auf und gucke mir die an", sagt Uwe Böttcher, "vielleicht erkennt man die dann ja wieder". www.jernrosen.no

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