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Norddeutsche Neueste Nachrichten

18. November 2017 | 17:16 Uhr

Protest : Romantik-Killer Windpark?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Neuesten Nachrichten

Ostseebäder schließen sich Protest gegen die Pläne der Landesregierung an. Sie haben Angst vor den Folgen für die Tourismusbranche

Die Stadt Bad Doberan hat an dem zentral gelegenen Park Kamp und an der Seebrücke Heiligendamm einen großen Banner gegen einen möglichen Windpark direkt vor der Küste angebracht. „Wir schließen uns damit der Initiative von Kühlungsborn an“, sagte Bürgermeister Thorsten Semrau (parteilos) gestern. Die Landesregierung hat in der aktuellen Landesraumentwicklungsplanung sechs Kilometer vor der Küste ein Eignungsgebiet für einen Windpark ausgewiesen. „Das liegt genau im Sonnenuntergangsbereich des ersten deutschen Seebades Heiligendamm“, sagte Semrau.

Bad Doberan befürchtet wie die Nachbarkommune Kühlungsborn, dass viele Gäste wegbleiben, sollte der Park gebaut werden. Vom Tourismus hängen in der Region eine große Anzahl Arbeitsplätze ab, die dann gefährdet wären. Für Semrau sei es auch keine Alternative, den Windpark einen oder zwei Kilometer von der Küste entfernt zu bauen. Die Aktion in Bad Doberan sei mit den Kliniken und dem Grand Hotel Heiligendamm abgestimmt. Patrick Weber, Vertreter des Eigentümers des Grand Hotels, sagte: „Wir sind gleicher Meinung und unterstützen die Aktion.“

Die Landesraumentwicklungsplanung der Landesregierung befindet sind in der ersten Phase. 2014 wurden die Pläne vorgestellt, die Einwände werden derzeit eingearbeitet. Energieminister Christian Pegel (SPD) kündigt für dieses Jahr noch eine zweite Beteiligungswelle an, bevor der endgültige Plan beschlossen wird.

Gestern gab der Energiekonzern EnBW bekannt, dass der australische Finanzinvestor Macquarie Capital knapp die Hälfte der Anteile am Ostsee-Windpark „Baltic 2“ vor Rügen kauft. Der Kaufpreis für die Anteile betrage 720 Millionen Euro, teilte EnBW gestern mit. Die Anteile – 49,89 Prozent – sollen nach der kartellrechtlichen Freigabe und der vollständigen Inbetriebnahme des Offshore-Windparks voraussichtlich im kommenden Sommer an Macquarie Capital übergehen. Macquarie Capital ist im Bereich Unternehmensbeteiligungen sowie Beratungs- und Kapitalbeschaffungsdienstleistungen tätig und gehört zur Macquarie-Gruppe. Am EnBW-Windpark „Baltic 1“, der 2010 vor dem Darß in Betrieb ging, halten 19 Stadtwerke 49,9 Prozent der Anteile. EnBW nutze das Instrument der Beteiligungsmodelle, um durch zusätzliche Finanzspielräume die Entwicklung von weiteren Projekten voranzutreiben, begründete EnBW-Finanzvorstand den Verkauf.

Der Offshore-Windpark „Baltic 2“ mit insgesamt 80 Anlagen entsteht rund 32 Kilometer nordwestlich von Rügen. Er kann jährlich 1200 Gigawattstunden Strom für rechnerisch rund 340  000 Haushalte erzeugen.

 

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